Rhetorica
De retorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament.
Los 1001
Nachverkaufspreis
50.000€ (US$ 56,818)
HANDSCHRIFTEN
Bis dato unbekanntes Schriftzeugnis aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts: Fragment einer Unzial-Handschrift der frühen Karolingerzeit
Rhetorica. "De rethorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 1 Blatt, 1 Seite. 13 Zeilen. Schriftraum ca. 10,2 x 11 cm. Blattgröße 10,6 x 13,6 cm. Unziale in braunschwarzer Tinte. Mit 15-zeiligen Feder- und Flechtwerkinitiale "R" in braunschwarzer Tinte. Wohl Norditalien erste Hälfte des 8. Jahrhunderts.
Außergewöhnlich prachtvolles Handschriftenfragment einer frühkarolingischen Unzial-Handschrift, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Norditalien zu datieren ist, mit einer besonders großen, prächtigen Flechtwerk-Initiale "R" (9 x 5,3 cm) und 13 Zeilen Schrift. Vergleiche mit wenigen, in öffentlichen Bibliotheken bewahrten Fragmenten, unterstützen die Datierung.
Das bislang unbekannte Fragment gehört zu den ältesten Textzeugnissen der weitverbreiteten Etymologiae (Etymologiae, II, I, 1) des Isidorus von Sevilla (gest. 4. April 636), Buch II "De artibus liberalibus", Kapitel !De rhetorica eiusque nomine!
Die Schrift ist also eine gelungene, sehr regelmäßige Unziale, die alle Merkmale dieses Schrifttyps aufweist (vgl. etwa die Buchstaben "E", "M" oder "U"). Die Schrift, aber auch die große Initiale lassen vermuten, dass die Handschrift in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts in Norditalien entstanden ist (Vgl. Codices latini antiquiores Nr. 24a, 55, 91, 127, 317, 333, 430 und 546).
Auch die R-Initiale könnte auf einer Entstehung der Handschrift in Norditalien verweisen. Die Abkürzung für 'autem' in der vorletzten Zeile ist ursprünglich irisch oder angelsächsisch, wurde jedoch im Frühmittelalter auch in insular beeinflussten Scriptorien auf dem europäischen Festland verwendet. Die Transliteration der griechischen Wörter ist nahezu perfekt; die Verwendung von Versalien in der 1. Zeile ist enigmatisch. Unleserliche Spuren und Reste einer Beschriftung auf der Rückseite.
"De rethorica eiusdemque nomine. RETHORICA est benedicendi scientia in civilibus questionibus ad persuadendum justa et bona. Dicta autem rethorica greca appellatione ‘a potu rethoresin’ [besser: ‘rethorisin’] id est a copia loquutionis. ‘Resis’ enim apud grecos locutio dicitur,’rethor’ orator." Der Text enthält somit einen der berühmtesten Definitionssätze Isidors: "Die Rhetorik ist die Wissenschaft des guten Redens in öffentlichen Angelegenheiten, um zu gerechten und guten Dingen zu überzeugen." Dieser Schlüsselsatz bildet einen zentralen Ausgangspunkt mittelalterlicher Gelehrsamkeit im Bereich des Triviums (Grammatik - Rhetorik - Dialektik).
Isidor transformiert die antike Rhetorik in ein christlich-ethisches Bildungsmodell; genau diese Definition prägt über Jahrhunderte Kloster- und Kathedralschulen und wirkt bis in den Kontext der karolingischen Reformbewegung hinein. In Alkuins "Disputatio de rhetorica et de virtutibus" erscheint sie nahezu unverändert wieder - als Verbindung von Redekunst, Herrscherethos und Tugendlehre. Der erhaltene Abschnitt deckt den Beginn der klassischen Rhetorik-Definition ab. Die Lesung entspricht der Vulgata-Fassung nach Lindsay (Oxford 1911) mit nur geringfügigen orthographischen Varianten frühmittelalterlicher Schreibpraxis. – Die Rückseite ist weitgehend weiß, da das Blatt als Einbandmakulatur verwendet wurde. Sie weist Leim- und Montagespuren auf und zeigt deutliche Dünnungen im Pergament sowie auch Wurmspuren, die nur in seltenen Fällen auch die Oberfläche recto betreffen (auf der ca. 20 kleine und kleinste Wurmlöchlein durchschlagen, die kaum zu Buchstabenverlust führten). Durch das Loslösen ging nahezu der gesamte Text verso verloren, allerdings sieht man noch Reste einer kleineren Flechtmotiv-Initiale "R" oder "P" und unten den oberen Hals eines "S", rechts in winziger Schrift ein Kommentarrest. Auch recto befindet sich links neben der Prachtinitiale ein kleiner 3-zeiliger Kommentar. Die Versoseite in bemerkenswert gutem Erhaltungszustand.
Nach Befundlage wurde das Blatt in der Frühen Neuzeit als Makulatur in einem Bucheinband (wohl 15.-16. Jh.) wiederverwendet und später - aufgrund der qualitätvollen Initiale und des bedeutenden Textes - gezielt herausgeschnitten. Die gut erhaltene Vorderseite und die auf der Rückseite sichtbaren Abschab- und Extraktionsspuren stützen diese Annahme.
Ein außergewöhnlich frühes, nahezu 1300 Jahre altes Schriftdenkmal und ein herausragendes Zeugnis frühmittelalterlicher Buchkultur. Handschriftenfragmente aus dem 8. Jahrhundert sind im Handel nahezu unbekannt und finden sich fast ausschließlich in Bibliotheks- und Museumsbeständen; ein Exemplar dieser Qualität, mit erhaltener Zierinitiale und prägnantem Text, darf als sensationell selten bezeichnet werden.
Jesus Sirach
Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Passagen aus dem Buch Ecclesiasticus. Lateinische Handschrift auf Pergament.
Los 1002
Nachverkaufspreis
5.000€ (US$ 5,682)
Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit Passagen aus Jesus Sirach
Jesus Sirach. Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit vier Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 35,23-26, 36,4-9, 36,14-17 und 36,21-24). Lateinische Handschrift auf Pergament. Qualitätvolle, regelmäßige und ausgewogene Karolingische Minuskel. Vier obere Kolumnenreste auf 1 Bl. (recto und verso) mit viermal 11 Zeilen. Schriftraum ursprünglich ca. 24-25 x 20-21 cm mit ca. 25-26 Zeilen. Blattgröße ursprünglich ca. 33-35 x 23-25 cm. Vermutlich Nordfrankreich, 1. Hälfte 9. Jahrhundert.
Sehr schönes Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach, dem kanonischen Buch Ecclesiasticus der Vulgata: "[Miserere plebi tuæ, super quam invocatum est nomen tuum: et Is]rahel quem coæqua[sti p]rimogenito tuo. [Misere]re civitati sanctificatiónis tuæ, Hierusalem, civitáti requiei tuæ. Reple Sion inenarrabilibus verbis tuis, et gloria tua populum tuum. Da testimónium quia ab initio creaturæ tuæ sunt, et suscita prædica[tiones quas locuti sunt in nomine tuo prophetæ priores]“ (Sir 35,23-26), also etwa: "Erbarme dich deines Volkes, über dem dein Name genannt ist, und Israels, das du zu deinem Erstgeborenen gemacht hast. Erbarme dich Jerusalems, der Stadt deines Heiligtums, der Stadt deiner Ruhe. Erfülle Zion mit deinen unaussprechlichen Worten und dein Volk mit deiner Herrlichkeit. Gib Zeugnis für deine Geschöpfe von Anbeginn an und verkünde die Botschaften, die die früheren Propheten in deinem Namen verkündet haben" (Sir 36:14-19). Das Buch Jesus Sirach fehlt in der Lutherbibel, für die es zu den apokryphen Texten gehört und nicht in den Kanon aufgenommen wurde.
Hervorzuheben ist die Größe der Schrift und die damit einhergehende kleine Zahl der Zeilen pro Spalte. Das Fragment stammt somit nicht aus einer Vollbibel, sondern vielmehr aus einer Teilbibel, die entweder nur das Buch Jesus Sirach oder zusätzlich einige der König Salomon zugeschriebenen Bücher der Bibel (Sprüche, Prediger, Hohelied und Weisheit) enthielt.
– Abgelöste Einbandmakulatur der oberen Hälfte eines Blattes einer Handschrift mit entsprechenden Gebrauchsspuren: oben links größerer Ausbruch, sonst beide Kolumnen wohlerhalten mit je 11 Zeilen, verso stärker verblasst und abgerieben, überwiegend aber gut lesbar. - Von größter Seltenheit. Bibelfragmente des frühen 9. Jahrhunderts sind kaum mehr auf dem Antiquariatsmarkt zu finden.
Eis, Gehard
Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts
Los 1003
Nachverkaufspreis
4.000€ (US$ 4,545)
Eis, Gerhard. Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts. Pergament und Papier, in unterschiedlichen Formaten, Miniatur- bis Quartformat. Überwiegend aus deutschen Provenienzen. Eingelegt in Halbleinen-Mappe mit 2 Hanf-Schließbändern. Meist Deutschland 13.-15. Jahrhundert.
Einmalige Sammlung von kleinen Bruchstücken sehr unterschiedlicher, meist deutschen Handschriften, darunter Fragmente von einem Gebetbuch (Stundenbuch mit Goldinitiale), von Predigten, Rezepten, Heiligenleben, astronomischen und alchemistischen Notizen, Sprüchen, Dichtungen, theologischen Traktaten, Priameln und anderen Texten, einige beschädigt, in ihrer Größe variierend von sehr klein bis zum Quartformat. Einige Fragmente wurden von Gerhard Eis erschlossen oder veröffentlicht. Einige wenige Fragmente sind ins 16.-19. Jahrhundert zu datieren, einige weitere stammen aus den Niederlanden oder aus Frankreich.
Die Fragmente werden in von Eis beschrifteten Umschlägen in Quartformat aufbewahrt. Beiliegend: Notizzettel, Transkriptionen, Korrespondenz, Verweise auf Literatur, Hinweise auf Erwerbung und Vorbesitzer sowie weitere Belege zu den Fragmenten von der Hand des Gerhard Eis und seiner Korrespondenten.
Aus der Sammlung des Heidelberger Mediävisten und Germanisten Gerhard Eis (1908-1984), mit den Signaturen Nummern 7, 9, 10, 15, 16, 34, 53, 55, 57, 65, 67, 69, 70, 85, 90, 91, 93, 95, 96, 97, 98, 119, 120, 121, 122, 123, 133, 137 und 163. – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren, Fehlstellen, Läsuren, Flecken und Leimresten bei ausgelösten Makulaturstücken. Beiliegen einige weitere Stücke und Dokumente.
Katechetische Sammelhandschrift
Deutsche Handschrift auf Papier. Südwestdeutschland um 1400
Los 1011
Nachverkaufspreis
20.000€ (US$ 22,727)
Sammelhandschrift der deutschen Mystik:
Mit zwei Traktaten von Heinrich Seuse
Theologische Sammelhandschrift mit 12 mystischen und asketischen Traktaten, darunter 2 Schriften von Heinrich Seuse. Deutsche Handschrift auf Papier, gut erhalten. Die erste Lage fehlt, einige weitere Blattverluste ohne Textverluste. 86 von einer gleichzeitigen Hand foliierten Bl. (XIIII-CXI, lückenhaft). 21-23 Zeilen. Schrift: regelmäßige Bastarda und Cursiva (Bl. 35r-72v) von einer Hand, spätere Nachträge in Cursiva (Bl. 83r-84v). Schriftraum 13,3 x 8 cm. Format 21,6 x 14,5 cm. Rubriziert. Wenig späteres flexibles weinrotgefärbtes Leder mit Kettenstichen im verstärkten Buchrücken (Kopert). Buchblock und Einband an den äußeren Ecken oben und unten gerundet. Südwestdeutschland (alemannischer Raum, vermutlich Konstanz) um 1400.
Geistlich-mystische Sammelhandschrift in alemannischer Schriftsprache Alemannisch mit schwäbischen Anklängen (Vermeer (s. u.) S. 88), darin:
Heinrich Seuse: 'Büchlein der ewigen Weisheit' [Auszüge, überwiegend aus Buch XIII] (Bl. 2r-27r), nach dieser Hs. teilweise ediert von H. J. Vermeer in Germanisch-romanische Monatsschrift 41 (1960), S. 86-93.
Heinrich Seuse: 'Horologium Sapientiae', lat. [Auszug] (Bl. 28r-32v).
Betrachtung über die wichtigsten Gebete und Tugenden (Bl. 35r-42r).
'Zehn Gebote'-Erklärung (Bl. 42r-49v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin in Zs. für die Geschichte des Oberrheins 110 (1962), S. 132-140, Ergänzungen in 2VL 10, Sp. 1490-91.
'Von den acht Seligkeiten' (Bl. 49v-52r).
'Die zwölf Räte Jesu Christi' und weitere Betrachtungen (Bl. 52r-53r), nach dieser Hs. von J. Werlin ediert in Leuvense bijdragen 52 (1963), S. 156-168; s. auch 2VL 10, Sp. 1643-46.
'Die Goldwaage der Stadt Jerusalem' (Bl. 59-60), ediert in W. Stammler, Spätlese des MAs, S. 57-60 u. 157-160; vgl. 2VL 3, Sp. 93-94.
Traktat über die Kunst zu Leben und zu Sterben (Bl. 61v-63v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 147-149.
Betrachtungen über das Paternoster und die Siebenzahl (Bl. 65v-70v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 140-146.
Betrachtung über das Leiden Christi (Bl. 70v-74r)
'Zehn Staffeln der Demut' (Bl. 74v-76v), nach dieser Hs. ediert v. G. Eis in Neophilologus 52 (1968), S. 286-291; s. auch 2VL 10, Sp. 1512-14.
'Seelenkloster' (Bl. 77rv), nach dieser Hs. ediert in G. Eis, Altgermanistische Beiträge z. geistl. Gebrauchsliteratur, S. 145-150.
Geistliche Betrachtung (Bl. 77v-79r)
'Die Bruderschaft von der ewigen Weisheit' (Bl. 79v-83r)
[Nachtrag des 16. Jh.s: Andachtsübung (Bl. 83v-84v)].
Es handelt sich um eine inhaltlich kohärente, gut erhaltene Sammlung von meist selten überlieferten Texten zur Meditation, vermutlich in und für ein Franziskaner- oder Franziskanerinnenkloster geschrieben. Inhaltich teilweise mit der jüngeren Handschrift Einsiedeln, Stiftsbibl. 710 (aus Konstanz) übereinstimmend. Beschreibung der Hs. in Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 156-163. Verzeichnet im Handschriftencensus Nr. 2639 (https://handschriftencensus.de/2639). – Innendeckel mit dem blassen Stempelabdruck "Prof. Dr. Gerhard Eis", die alte Foliierung hebt mit "XIIII" an, davor Blatt XIII ohne Nummer, möglicherweise fehlt wie oben genannt erste 12 Blätter, wiewohl Seite XIIIIr mit rotem Initialtext anfängt "Wel[ch]er Oren hab zu Hoerent" (nach dem antiken "Qui habet aures audiendi, audiat"). Blatt "XV" dann mit älter hinterlegtem größeren Ausschnitt (2/3 Textverlust), sonst nur hinterlegte Randverluste. Wenige Fingerfleckchen, Tintenwischer und Flecken, insgesamt bemerkenswert wohlerhaltene umfangreiche Sammelhandschrift mit Texten der mittelalterlichen Mystik in Deutschland.
Provenienz: Aus der Bibliothek des Franziskanerklosters in Konstanz, Bl. 2v mit hsl. Besitzvermerk Bibliothecae F. F. Min: Conv: Constantiae (18. Jh.). Aus der Sammlung des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 112. Zwei Zettel mit bibliographischen Angaben von Eis‘ Hand hinten eingeklebt.
Passionalsbrevier
Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift
Los 1012
Nachverkaufspreis
800€ (US$ 909)
"Erleuchte meine Augen,
dass ich nicht im Tode entschlafe"
Passionalsbrevier. Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. 18-19 Zeilen Unterschiedliche Fragmentformate bis 15 x 10,5 cm. Breites Halbkaliko des 19. Jahrhunderts mit breiten Leinenecken, goldgeprägtem Rückentitel "Schles. Gebetsbetrachtungen, Handschr. XV. Jahrh." und wurzelmarmorierten Deckelbezügen. Schlesien (Glogau?) um 1420.
Unterschiedlich große Fragmente aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift, die möglicherweise aus dem schlesischen Glogau stammt (oder vermutlich aus der Langer'schen Bibliothek in Braunau, wie der Forscher Gerhard Eis vermutete), der auf einem beigebundenen masch. Zettel vermerkt: "Gebetsbetrachtungen über die Passion in schlesischer Mundart. Bruchstücke. Ausgelöst im August 1911 aus einem Einband von Christ. Schwytzer in Breslau, datiert 1532 (M. Fabian Francke, Ein Canczley- vnd Titelbuchlin, Wittenberg, Nickel Schirlentz MDXXXI)".
Umfangreiche Textfragmente sind erhalten mit den roten Überschriften "Antiphona", "Dy Erste Lectio", "Dy andere Lectio", "Anti[phona]", "Capitel uff dy laudes", "Dy dritte lectio", "Laudes", "Irleuchte dy awgen meyn das sy nymmer geslossen yn dem tode ..." nach dem Psalm 13, 6. Bis dato unveröffentlicht. – Provenienz: Heinrich Hinterberger, Wien 10/1957, dann Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 102. Mit Stempel und hs. Signatur der Sammlung Eis.
Miracula Christi
-Gedicht zum Lobe Mariens und deutsche Sprüche. Lateinische und deutsche Handschrift auf Papier
Los 1026
Nachverkaufspreis
200€ (US$ 227)
Miracula Christi per Claudianum. Distichen-Gedicht zum Lobe Mariens und deutsche Sprüche. Lateinische und deutsche Handschrift auf Papier. 2 S. auf 1 Bl. Ca. 28 Zeilen. Schriftraum ca. 14 x 7,5 cm. Format ca. 15,5 x 10,5 cm. Bastarda und Kurrentschriften in Sepiatinte. Deutschland Anfang 16. Jahrhundert.
Hüsches Spruchfragmentblatt mit den bekannten Distichen "Miracula Christi", die traditionell dem Dichter Claudius zugeschrieben wurden (Ps. Claud. carm. min. app. 21 = Anth. Lat. 879 R.2). Es handelt sich um eine interessante, extrem verkürzte Fassung der Evangelientexte in wenigen Distichen:
Miracula Christi per Claudianum
Angelus alloquitur Mariam, quo praescia uerbo
Concipiat salua uirginitate deum.
Dant tibi Chaldaei praenuntia munera reges:
Myrrham homo, rex aurum, suscipe tura deus.
Permutat lymphas in uina liquentia Christus, 5
Quo primum facto se probat esse deum.
Quinque explent panes, pisces duo milia quinque,
Et deus ex paruo plus superesse iubet [...]
Das Fragmentblatt ist wohl bis dato unbekannt und sicher eine willkommene Bereicherung der Forschungsarbeit des Francesco Lubian, Un caso di riscrittura metrica 'ultrabreve' dei vangeli: i distici Miracula Christi, in: Studia patristica vol. 85 (2017) S. 51-64).
Darunter sind zwei deutsche Sprüche eingebracht, der erste liest sich:
Stene kan man kopen und uns darnache bedenken
God wil uns dorch sin wordt erwecken
Dat maket de loue an Jesum Christ
De vor uns middeler worden ist
Verso weitere zahlreiche Einträge mit mehreren Sprüchen in lateinischer und auch in griechischer Sprache. – Leicht fleckig, gebräunt und mit etwas Tintendurchschlag, insgesamt aber wohlerhalten. Beiliegen Transkriptionen des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982) und weitere Materialien.
Eleazar und der verlorene Sohn
Fragmente aus zwei biblischen Erzählungen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland (Zell?) 1542 und 1545.
Los 1027
Nachverkaufspreis
600€ (US$ 682)
Mit lavierten Federzeichnungen von Reiterzügen
Eleazar und der verlorene Sohn. Fragmente aus zwei biblischen Dichtungen, Textschluss auf Bl. 3v. Deutsche Handschrift auf Papier. 3 Bl. mit 6 S. Schrift. Gotische Kursive. Format: 17,5 x 13 cm, an den Rändern beschnitten. Mit 3 Zeilen Notensystemen und mehreren lavierten Federzeichnungen in Sepiatinte. Moderner Pappeinband. Süddeutschland (Zell?) 1542 und 1545.
Zwei deutsche Textfragmente mit dem Bruchstück eines Gedichtes vom verlorenen Sohn, datiert 26. Mai 1542 sowie dem Fragment eines Gedichtes vom "Eleazar", datiert auf den 2. April 1545.
Es handelt sich um Nacherzählungen in lockeren, umgangssprachlichen Versen des Schlusses der biblischen Geschichte des verlorenen Sohnes nach Lukas 15: 11-32 (Bl. 1) und der vollständigen Geschichte des weisen Eleazars, der sich lieber von den Schergen des Königs Antiochus umbringen lässt als Schweinefleisch zu essen oder vorzugeben, dies zu tun, nach 2 Makkabäer 6: 18-31 (Bl. 2-3). – Saubere, gut leserliche Handschrift, etwas fleckig und gebräunt, einige kleine Löchlein und Randläsuren. Mit mehreren hübschen Randzeichnungen und Federproben, darunter Reiter auf wunderlichen, raupenähnlichen Pferden sowie ein Reiterzug (wohl als verspielter Ausstrich eines Vermerkes auf Bl. 2v). Letzte Seite mit Zeichnungen von Häusern in Sepia und zwei Figuren (Holzfäller?) in roter Tinte.
Provenienz: Besitzeintragungen "Georg Rues" und "Georg Riebstäschel Zur Zell Anno 1673." Im Vorderdeckel der Besitzername Schoeppl und der rote Stempel Archiv Schöppl (19. oder 20. Jh.). Aus der Sammlung des Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 148. Im Vorderdeckel der Vermerk „gekauft 21. V. 1966 von Jacques Rosenthal".
Weinmeister, Georg
Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister
Los 1028
Nachverkaufspreis
100€ (US$ 114)
Briefe des Ingoldstädter Zöllners
aus Straubing an der Donau
Weinmeister, Georg. Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Bl., 2 S., verso Regesten. 24-25 Zeilen. Schrift: Kanzleibastarda. Format: 27,5 x 20 bzw. 30,5 x 20,5 cm. Mit einigen kalligraphischen Auszeichnungen. Straubing, wohl 1565 und 1567.
Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister zu Steinbach (Rat und Mautner zu Ingolstadt 1550-1571). "In der Franziskanerkirche zu Ingolstadt hängt ein Epitaph in Solnhofer Stein mit nachstehender Inschrift: Anno domini 1571 den 1. Tag July starb der ernvest Jörg Weinmaister gewesner Fürstl. Rhat und Zolner alhie seines alters 72 Jar. Anno 15. den tag starb die erbar und tugendsam fraw Katharina Winmanin on Starenberg sein Eheliche Hausfraw. Denen got genedig sei. Amen. Das ist alles, was wir von ihm wissen" (Brief Günzinger, Stadtarchiv Ingolstadt, an Gerhard Eis). – Gebrauchsspuren, Schnitte, Leimreste, sonst ordentlich und gut lesbar. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 72.
Conrad, Balthasar
Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1032
Nachverkaufspreis
100€ (US$ 114)
"Die wahre Lehre wird dort sein,
wo sie von Wundern begleitet wird" -
Eigenhändige Verteidigung des katholischen Glaubens von dem Breslauer Jesuitenrektor
Conrad, Balthasar. Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 geheftete Doppelblätter mit zus. 4 Bl. mit 8 nn. S. 28 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrentschrift. Format: 24 x 16,5 cm. Mit einigen kalligraphischen Schwüngen. In modernem Kartonumschlag. Breslau, 1652-1655.
Eines umfangreiche Disputation und Abhandlung über die Glaubwürdigkeit und Integrität der katholischen Lehre des Rektors des Breslauer Jesuitenkollegs, unterschrieben "Ihrer Gnaden Dienstwilliger in Christo Balthasar Conradus S. I. Coll. Vratisl. Rector" (1609-1660).
Der Text wurde einer ausführlichen wissenschaftlichen Untersuchung von Rainer Rudolf unterzogen, der feststellte: "Offenbar handelt es sich bei unserem Text um eine Reinschrift durch den Verfasser selbst ... Durch scharfes Beschneiden am rechten Rand wurden manche Wörter verstümmelt, doch fehlen jeweils nur wenige Buchstaben, so daß sich die Wörter leicht ergänzen lassen ..." (Balthasar Conrads Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre, Sonderdruck aus dem Archivum Historicum Societatis Iesu, Extractum e vol. XLI, Roma 1972).
"Die Schrift von Pater Baltasar Conrad S. I. (1609-1660) findet sich im Privatarchiv von Professor Eis. Die kritische Ausgabe wurde von R. Rudolf S. D. S. erstellt. In der Einleitung bietet der Herausgeber sorgfältig neue Daten und korrigiert einige Biografien von Pater Conrad, in denen er die Abhandlung anderer Autoren beisteuert. Der Text ist verfasst als eine Antwort, die Pater einer Edeldame gab, deren Namen wir nicht kennen und die sich in ihren Gewissenskonflikten an ihn gewandt hatte. Pater Conrad stützt seine Argumentation auf die Wunderlehre und beginnt mit den Worten Christus: 'Wenn nicht ich die Werke (Wunder) unter ihnen getan hätte ...' (Joh 15, 24). Das Argument lautet: Die wahre Lehre wird dort sein, wo sie von Wundern begleitet wird, die denen Christi und der Apostel ähneln; solche Wunder geschehen nur in der katholischen Kirche ..." (nach dem spanischen und lateinischen "Resumen - Summarium"). – Papier teils etwas stärker gebräunt, rechts beschnitten, leicht über den Rand (o.g. geringer Buchstabenverlust). Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 197, erworben am 2. August 1971 bei Antiquariat Jacques Rosenthal (Hans Koch), Eching bei München. – Beiliegt: Rainer Rudolf, Balthasar Conrads Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre, Sonderdruck, zit. oben.
Testament
der Anna Polixena von Krasseg. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659
Los 1033
Nachverkaufspreis
100€ (US$ 114)
Testament der Anna Polixena von Krasseg. Deutsche Handschrift auf Papier. 6 nn. Bl. mit 9 S. Text. Schrift: Kanzleibastarda. Schriftraum: bis 21,8 x 15 cm. Format: 31,5 x 19,5 cm. Mit kalligraphischen Schnörkeln. Moderner Kartonumschlag. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659.
Reinschrift des Testaments der reichen Witwe Anna Polixena von Krasseg, Herrin von Schätzenberg, in der Regeste mit "Testament Abschrifft" betitelt und notariell gezeichnet "Kollationiert Landt Canzler zu Krain (?), den 29. Januarij Anno 1659 LS Conradt Hagg", demnach zahlreiche bewegliche und immobile Güter sowie beträchtliche Gelder in der Erbmasse zur Disposition stehen. – Sehr sauber und wohlerhalten. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 54, erworben von Helko Eis bei Hans Koch, Antiquariat Jacques Rosenthal in Echning, Dezember 1967. – 125/1054
Hostauer Judeneid
Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen
Los 1034
Nachverkaufspreis
800€ (US$ 909)
"So ein Jud einen Ayd schwören wil"
Hostauer Judeneid - Taufzettel. Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 10,8 x 7 cm. Moderner Pergamentumschlag (unter Verwendung älteren Materials). Hostau in Böhnen 1659-1662.
Sehr kleine, aber sehr gehaltvolle, umfangreiche und engbeschriebene Handschrift, die wohl einem Geistlichen, einem Gerichtsschöffen o. ä. als Vademecum diente. Auf Fol 1v nennt er sich als Wenzeslaus Adelbert Miller aus dem westböhmischen Hostau, dem heutigen tschechischen Hostoun auf halber Strecke zwischen Pilsen und Amberg. Zunächst ein:
"Verzeichnus der Hochlöbl. Bistumümer der Röm. Reichs. Annotiert von mir Wencelslao Adalberts Miller der Zeit wohhafft in der Stadt Hostau: im Königreich Böheimb: am fest s. gregorijy Anno 59". Es folgt Fol 1v ein Register mit Nennung einiger Bistümer des Heiligen Römischen Reichs wie "Straßburg", "Maytz", "Treyer" (Trier), "Cöln".
Hauptteil der kleinen, aller Wahrscheinlichkeit in sich vollständigen Handschrift ist ein ausrührliches Iuramentum Iudaeorum, ein seltener deutscher Judeneid, der ganze vier engbeschriebene Seiten umfasst (Fol 2r-3v). Der Judeneid, auch "More Iudaico", war eine von Stadtherren, Richtern und Kirchenobersten den Juden obligatorisch auferlegter Schwur auf die Gebote Moses und besiegelt mit dem höchsten Gebet "Höre Israel", mit dem sich Juden einer Anklage oder einer Beschuldigung gegenüber zur Wehr setzen konnten. Für Betroffene hatte der Judeneid, der Zwange, sich vor seinem eigenen Gott und dem Propheten Moses zu verantworten eine klar diskriminierende Konnotation und steht somit meist in Verbindung zu Herabwürdigung, Einschüchterung, Verfolgung, Hetze und Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung
"Eines Juden Aydt. So ein Jud einen Ayd schwören wil, so sol er bey ihm haben Herrn Moyses buch, darin die Zehen gebot geschrieben stehen, und sol sie rechter Hand bis auf oder an die Knorren auf die Zehen gebot Legen. Und sol ihm der eyd schriefftlich vorgelegt werden, den sol er selbst lesen mit lauter stim: das hab ich nit gethan, und bin des gantz unschuldig, also helf mir gott, der himmel und erden erschaffen hat: und also helf mir die Ee, die gott gebott, die die gab Hern Moysi auf den berg Sinai in Zweiyen Stainen tafeln, mir und aller Juden zu trost:
Es folgt das wichtigste Gebet des Judentums "Schma Jisrael" ("Höre Israel"): "Schem Adanai elohecha laschane ... escher issa et schmo Laschane", gewissermaßen als höchste jüdische Schwurformel.
Der zweite Text (Fol 6, 7r), datiert 1662 in schwarzer Tinte hinzugefügt worden, offenbar war das kleine Heft bis dahin in Gebrauch. Es enthält einen "Taufzettel", datiert "den iij. May 1662" mit einem Taufmahngedicht, ebenfalls in deutscher Sprache, gereimt in 8 Versen zu 16 Zeilen: "Jetz und hir angezaiget ist / daz schöne kindlein Jesu Christ / Bevreyt bist du nun von Sünd / und von den gottes Liebes Kind / So wachs nun auf mit gutem vleis, Sey deinen eltern ehr und preis / ein erb der frohen Seligkeit / Welche hier allzeit ist bereit ..." (ungefähre Lesart mit Fehlern).
Der schon im frühen Mittelalter nachweisbare Judeneid wurde nahezu überall in Europa angewendet und erst im 19. Jahrhundert abgeschafft bzw. verboten (in den preußischen Erbländern am 15. März 1869). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 94. Vorderer Innendeckel mit Signatur "Hs. 94" und Stempel "Prof. Dr. Gerhard Eis". Fliegender Vorsatz am Schluss mit eigenhändigen Einträgen der bibliographischen Angaben: "Veröffentlicht: G. Eis. Judeneid aus Hostau in Böhmen, Journal of English and Germanic Philology LII, 1953, S. 86-89", "G. Eis, Mitteilungen aus altdeutschen Handschriften aus dem Sudentenländern, Stifter-Jahrbuch VIII (1964), S. 174-178" und weiteres.
Juristischer Sammelband
Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1036
Nachverkaufspreis
1.200€ (US$ 1,364)
Bedeutendes frühneuzeitliches Gerichts- und Verhörbuch mit Judeneid (hebräisch umschrieben) und Hexenrecht
Juristischer Sammelband. Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 280 Bl. (num. 1-335 mit Fehlern). 18,5 x 15,4 cm. Pergament d. Z. unter Verwendung einer Urkunden-Handschrift des 15. Jahrhunderts (stark abgerieben, Gelenke brüchig, Deckel lose, ohne Schließbänder, stärker fleckig und bestoßen). Franken Anfang 18. Jahrhundert.
Umfangreicher handschriftlicher Sammelband mit Abschriften von Gesetztestexten, Halsgerichtsordnungen, Strafberichten, Formularien und Präzedenzfällen aus Urkunden des 15.-18. Jahrhunderts. In deutscher Sprache verfasst von mehreren zeitgenössischen Kanzleihänden des 17. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein praxisorientiertes Gerichts- und Verhörbuch, das für den konkreten Einsatz im gerichtlichen Alltag bestimmt war und entsprechend deutliche Gebrauchsspuren aufweist.
Der Text vereint zentrale Bereiche der frühneuzeitlichen Rechtspraxis: allgemeine Gerichtsordnung, detaillierte Interrogatoria (systematisch nummerierte Verhörfragen), Instruktionen für Richter und Examinatoren sowie umfangreiche Formulare zur Eid- und Schwurleistung: "Ordnung über den Bericht und Rats verneuerung, Im ganzen Fürstenthumb Brandenburg [d. i. Fürstentum Ansbach-Brandenburg] unter- und oberhalb des Gebirgs Anno 1454", "Wie man das Gericht verlegen und verbieten soll", Gerichtsordnung: "Anfenglich fragt der Richter den Gerichts Knecht ... Andtwort deß Gericht Knechts", "Von dem christlichen Proceß", "Formular Peinlichen Process am Halsgericht zu Neustatt", "Verzaichnus der fragen und Antwortt zum Seckhendörffischen Gericht zu Ipßhaim hie volgt", "Der Richter und Vogt, auch der S[ch]ultheißen Aydt" etc.
Entstanden ist die Niederschrift Franken, zwischen Würzburg und Nürnberg, genannt werden u. a. Neustadt (an der Aisch), Seckendorf, Ipsheim und Nürnberg. Der erste Text ist wohl auch als Referenz gemeint.
Von herausragender Bedeutung ist der ausführlich ausgeführte Judeneid, der hier nicht lediglich erwähnt, sondern vollständig wiedergegeben ist. Bemerkenswert ist die Umschrift zentraler hebräischer Gottesnamen und Schwurformeln (u. a. Adonai, Elohecha), die fest in den deutschen Text eingebunden sind. Diese Praxis verweist auf die besondere rechtliche Stellung jüdischer Prozessbeteiligter innerhalb der frühneuzeitlichen Gerichtsbarkeit. Ob diese Umschrift der Verständlichkeit, der rechtlichen Bindung oder einer verpflichtenden rituellen Form diente, bleibt offen; sie unterstreicht jedoch die Ausnahmestellung des Judeneides und die formalisierte Abgrenzung jüdischer Eidesleistungen vom übrigen Verfahrensrecht.
Ein weiterer zentraler Komplex ist dem Malefizrecht und der Hexe gewidmet. In mehreren Abschnitten werden Straftatbestände, Verdachtsmomente und Verfahrensweisen im Zusammenhang mit Hexerei, Schadenszauber und anderen malefizischen Handlungen behandelt. Die zugehörigen Verhörkataloge zeigen eine bereits stark formalisiert-juristische Behandlung des Hexenwesens, charakteristisch für die fortgeschrittene Phase der frühneuzeitlichen Strafverfolgung.
Das Manuskript weist mindestens drei unterschiedliche Schreiberhände auf, was auf eine längere Nutzung sowie fortlaufende Ergänzungen schließen lässt. Rubrizierte Überschriften und vereinzelte dekorative Initialen strukturieren den Text. Papier mit sichtbaren Kettenlinien; altersbedingte Bräunung, kleinere Flecken und Randabnutzung, insgesamt jedoch in gutem, authentischem Erhaltungszustand.
Ein eindrucksvolles und seltenes Zeugnis frühneuzeitlicher Rechtspraxis, das Judeneid (mit hebräischer Umschrift), Hexenrecht und gerichtliche Verhörtechnik in einer regional verortbaren Handschrift vereint. Besonders der Judeneid verleiht dem Manuskript eine ausgeprägte judaica-historische Dimension, während die Abschnitte zu Malefiz und Hexe tiefe Einblicke in die Rechts-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte des 17. Jahrhunderts ermöglichen. Ein Objekt von hoher Attraktivität für spezialisierte Sammler, Institutionen und die Forschung. – Etwas ausgebunden, einige Blätter lose, mehrere sind weiß geblieben.
Liebenberg
"Sammlung fürstlicher und adeliger Wappen". Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1728
Los 1039 [^]
Nachverkaufspreis
3.000€ (US$ 3,409)
Aus dem Besitz des Antiquars William Salloch, New York
Liebenberg. - "Sammlung fürstlicher und adeliger Wappen" (hs. Titel). Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl. und 70 num. Wappentafeln mit hs. Beischriften. Format: 16 x 18,4 cm. Mit 71 ganzseitigen Wappenmalereien in Deckfarben und zweifach gefalteter großer Wappentafel (20,8 x 34,6 cm). Hellbraunes Halbleder d. Z. (beschabt und bestoßen, Vorsätze stärker abgerieben) über 5 erhabene Bünde mit Goldfileten und goldgeprägtem RSchild "Armories" sowie dreiseitigem Rotschnitt. Deutschland (Schloss Liebenberg) nach 1728.
Wohl für das Adelsgeschlecht der Freiherren Hertefeld (Hertefeldt) von Liebenberg am Ende des ersten Viertels des 18. Jahrhunderts angefertigtes Wappenbuch, das alle prachtvollen Wappenschilder der Freiherren bzw. Barone, Fürsten, Könige und Kaiser zeigt, die irgendwie mit dem Geschlecht verwandt und assoziiert sind. So zeigt die große Falttafel am Schluss (No. 71) das Wappen "Cleve", da die Hertefeldt dem kleveschen Adelsgeschlecht im 17. Jahrhundert entstammen: "Comtes de Lottum et Willich".
Am Anfang ein großes kaiserliches Wappen mit Krone, Einhorn, Greif und dem Orden vom Goldenen Vlies mit hs. Beischrift "Duc d'Espagne en Russie - Liria grand et Ambassadeur 1728". Enthalten sind auch englische und schottische Adelsgeschlechter "Angleterre", "Ecosse", "France" z. B. "Du Bourg Maréchal de France et Gouverneur de Straßbourg", "Hollande", "Gueldre" etc. – Nur vereinzelte kleine Oberflächenbereibungen, wenige Farbabplatzungen, fast durchgehend in bemerkenswert guter, frischer Qualität.
Provenienz: Vorsatz mit kleiner gelber Klebefiche: "Aus der Bibliothek des Baron von Hertefeld in Liebenberg". Das Geschlecht der Freiherren von Hertefeldt zu Schloss Liebenberg in Brandenburg (nördlich von Berlin im Löwenberger Land) hatte wohl als wichtigsten Spross den Freiherren Samuel von Hertefeldt aus dem klevischen Adelsgeschlechts von und zu Hertefeldt hervorgebracht, einen preußischen Staatsmann, Geheimer Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenrat sowie Ritter des Schwarzen Adlerordens, der als Erbherr von Liebenberg erstmals ein Schloss errichten ließ, in dem auch eine Bibliothek eingerichtet wurde. Mit altem Wappenstempel auf dem Vorsatzblatt. Vorsätze aus türkischem Marmorpapier, der hintere mit Marke des bedeutenden Antiquars William Salloch, New York.
Rossarznei und geistliches Lied
Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland 1728
Los 1040
Nachverkaufspreis
100€ (US$ 114)
Rossarznei und geistliches Lied. Deutsche Handschrift auf Papier. Fragment. Deutschland 1728. - Rezepte zur Kurierung von Pferden:
Rossarznei und geistliches Lied. Deutsche Handschrift auf Papier. Fragment mit 6 nn. Bl. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 21 x 16 cm. Moderner Kartonumschlag. Deutschland 1728.
Rezepte zur Kurierung von Pferden ("Wenn ein Roß aufgebrochen ist mit Zeiten..."), denen "Ain segenes Geistliches Liedt" beigegeben ist. An dessen Schluss datiert "1728". – Erstes Blatt hier zu einem Drittel abgerissen (Textverslust), wahrscheinlich fehlen anfangs weitere Blätter, etwas fleckig, mit Gebrauchsspuren. Provenienz: Tenner Heidelberg Auktion 81 10/1970. Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 157.
Neuschloß
Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1041
Nachverkaufspreis
200€ (US$ 227)
Kontorbuch der bedeutenden böhmischen Residenz "Neuschloss"
Neuschloß. - Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 80 Bl. mit ca. 80 beschriebenen S. in brauner Sepiatinte und 36 Vakat-Blätter.Tabelle mit 4 Spalten, bis 30 Zeilen mit Einträgen. Schrift: deutsche Barock-Kurrent. Format: 19,5 x 16,5 cm. Geheftet und über 3 Bünde (ohne Decken, aus einem Einband ausgelöst). Neuschloß, Nordböhmen 1750-1761.
Aus dem heutige tschechischen Schloss Nový zámek (Neuschloß) stammendes Kontorbuch mit Hunderten von Einträgen der Jahre 1750-1761, die eine ganze Wirtschaftsgeschichte im Barock rekonstruieren lassen: "Ausgabe von NeuSchloß Monath January 1750". Zum Barockschloss gehört der Neugarten sowie die größten Parkanlagen Böhmens, die im Stil der englischen Gärten angelegt worden waren - und noch heute zu den bedeutendsten Tschechiens gehören.
Das Kontorbuch, das aus der Bibliothek des Fürsten Wenzel Anton von Kaunitz (1711-1794) stammt, verzeichnet Einnahmen und Ausgaben, etwa: "Vor die pro Januario abgeführende contribution", "Den Pfarrer und denen Rechen Vättern sambt buben und contor der colecta", "Kircheninteressen", "Nach Prag geschicket der Herr Ragnitzki", aber auch Reparaturarbeiten wie: "die Schoßstiegen machen zu lassen" und vieles, vieles mehr. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 43. Mit auf den Vorderdeckel montierter Fiche: "Handschrift 43 Ausgabenbuch (aus Neuschloß), 18. Jhdt. im Besitz von Dr. Gerhard Eis, Prag 1938". Kostbar sind auch die zahlreichen Vakat-Blätter feinster Bütten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Costanza, Lorenzo
"Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier.
Los 1043
Nachverkaufspreis
300€ (US$ 341)
Die Untaten Heinrichs VIII vor der katholischen Kirche: "Matrimoni con Poligamie d'Enrico 8"
Costanza, Lorenzo. "Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier. 1 Bl., 68 S., 2 Bl. Register. 27 Zeilen. 26 x 17 cm. Italienische Kursiva-Kurrent in Sepia. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Deckel stärker geworfen, fleckig, mit kleinen Lederfehlstellen, etwas brüchig) mit RVergoldung. Italien 1773.
Interessante Darstellung der Geschichte Englands aus italienischer Perspektive von dem Studioso Lorenzo Costanza, der sich am Schluss (S. 68) als Autor und Propst, Leiter eines Kollegiatstifts von Albiano (im Trentino) nennt. Er bedauert gleichzeitig die Auflösung des Jesuitenordens, die der Kirche großen Schaden zufügen würde. Den Jesuitenorden (die "Societas Jesu") hatte bekanntlich Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 durch das Breve "Dominus ac Redemptor" offiziell aufgelöst: "Di Lorenzo Costanza prevosto d'Albiano. Lavoro di mesi due luglio ed agosto 1773. Nei sud[detti] mesi è seguita l'abolizione della Compagnia di Gesù e un grave danno della Chiesa".
Der Text enthält die wichtigsten Ereignisse der englischen Geschichte seit der Neuzeit und dem von Heinrich VIII. eingeführten Anglikanismus mit Kapiteln: "Della Chiesa d'Inghilterra", "Durazione della Fede Cattolica nell'Inghilterra", "Ruina della Chiesa d'Inghilterra sotto Enrico 8", "Enrico ottavo prima Cattolico", "Enrico 8 ripudia la Consorte per sposar Anna Bolena", "Sentenza del Papa intorno al matrimonio d'Encrico e Scommunica", "Sacrilegi e crudeltà d'Enrico 8", "Matrimonj con Poligamie d'Enrico 8", "Ultime disposizioni e morte d'Enrico 8", "Odoardo VI", "Maria", "Elisabetta", "Carlo primo", "Interregno", "Carlo 2", "Giacomo 2" etc. Am Schluss ein ausführliches Register. Es folgt eine Übersetzung der berühmten "Lettera di Maria Stuarda Regina di Scozia scritta dalla prigione a Sisto V". – Kaum Gebrauchsspuren, nur gelegentlich anfangs und am Ende leicht angestaubt, aus dem Besitz eines "Luciano Caruso" mit dessen Exlibris.
Meister Albrant
"Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch"
Los 1045
Nachverkaufspreis
300€ (US$ 341)
Rossarzneibuch Meister Albrants und Pelzbuch
des Jost von Rosenberg
Meister Albrant. "Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch". Großes Fragment einer böhmischen Sammelhandschrift in tschechischer Sprache auf Papier. 159 (statt 185?) Bl., mit Seitennummerierung 53-412 (mit Fehlern und Sprüngen). Ca. 14 Zeilen. Schrift: nordböhmische Kurrent. Schriftraum: 19 x 16,4 cm. Format: 22 x 18,5 cm. Mit Rubrizierung und kalligraphischen Auszeichnungen der Überschriften in roter und brauner Feder. Halbleder d. Z. (Kanten und Ecken beschabt, gering bestoßen). Nordböhmen (Ploschkowitz, Leitmeritz) um 1800.
Gerhard Eis, Meister Albrants Roßarzneibuch im deutschen Osten (Schriften der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft in Reichenberg 9), Reichenberg 1939 (Nachdruck [Documenta Hippologica] Hildesheim/Zürich/New York 1985). - Gerhard Eis, Meister Albrants Roßarzneibuch. Verzeichnis der Handschriften, Text der ältesten Fassung, Literaturverzeichnis, Konstanz 1960, S. 15-21. – Großes Fragment einer besonders umfangreichen böhmischen Handschriften-Anthologie mit großen Teilen aus Meister Albrants Roßartzneibuch, des bedeutendsten hippiatrischen Textes des Mittelaltes, der in mittelhochdeutscher Sprache im 13. Jahrhundert wohl am Hofe des Stauferkönigs Friedrichs II. entstanden war. Geschildert werden 36 typische Krankheiten der Reitpferde und Anweisungen zu deren Kurierung. Der Mediaevist und Germanist Gerhard Eis, Heidelberg (1908-1982) sammelte Überlieferungen in Handschriften wie der vorliegenden des späten 18., bzw. frühen 19. Jahrhunderts, die er edierte, um damit erstmalig die Bedeutung der Roßarznei Meister Albrants für die Entwicklung der deutschen Sprache zu manifestieren. Wie wenige andere Texte wurde das Pferdebuch als praktische Diagnose- und Kurationsanweisung nahezu lückenlos über 800 Jahre tradiert und bildete somit ein Kaleidoskop der Sprachentwicklung und wichtige Quelle für die Linguistik zwischen Mittelalter und Neuzeit.
"Im Herbst 1937 von dem Prager Antiquar K. Zink gekauft. Es ist eine um 1800 hergestellte Abschrift eines Werkes, das 1599-1601 abgefaßt worden sein muß. Ein Pferdesegen aus Ploschkowitz bei Leitmeritz [das heutige Ploskovice bei Leitmeritz in Böhmen], ist 1599 datiert und das Pelzbuch das den ersten Abschnitt bildet, ist Peter Wok von Rosenberg (+1611) gewidmet, der Herr auf Krummau genannt ward. Diese Herrschaft verkaufte er jedoch 1601. Der erste Teil ist ein Roßarzneibuch, das zum großen Teil Vorschriften des Meisters Albrant, Kaiser Friedrichs Schmied, enthält. Von besonderer Wichtigkeit ist der vierte Teil, das Rosenberger Pelzbuch, von Jost von Rosenberg für Peter Wok von Rosenberg, verfaßt" (eigenhändiger Eintrag Gerhard Eis). Gemeint ist der Grundherrr Peter Wok von Rosenberg (1539-1611). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg. Mit einmontierter Fiche auf dem fliegenden Vorsatz: "Handschrift H. 33 Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch u. a. im Besitz von Dr. Gerhard Eis, in Ruppersdorf bei Reichenberg in Böhmen ist nach den Grundsätzen der [durchgestrichen:] Königl. Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im November 1937 aufgenommen worden". Fliegender Vorsatz mit umfangreichen hs. Einträgen des Germanisten und einer höchst ausführlichen Liste der Bibliographie von Veröffentlichungen über die Handschrift mit neun Titeln, meist von Eis selber.
Ghigini, Giovanni
Sull’abuso della sciringa nell’iscuria vesicale. Italienische Handschrift auf Papier
Los 1046
Nachverkaufspreis
180€ (US$ 205)
Einzige Abschrift des weltweit einzigen Exemplars einer einzigartigen Schrift
Ghigini, Giovanni. "Sull’abuso della sciringa [sic] nell’iscuria vesicale. Memoria di Giovanni Ghigini chirurgo presso l’artiglieria italiana. In Pavia, presso Giovanni capelli stampatore e libraio, MDCCCIV". Italienischen Handschrift auf Papier. 1 w. Bl., 19 num. S., 3 w. Bl. 28,5 x 20 cm. Fadengeheftet. Pavia nach 1804.
Abschrift in sauberer Kurrent von einer einzigen Hand - eine Manuskriptkopie der gedruckten Ausgabe (Pavia 1804), von der laut Opac Sbn und OCLC, Nr. 560487856, offenbar nur ein Exemplar erhalten geblieben ist, das sich heute in der British Library befindet (aber keines in Italien, keines in Deutschland oder in Frankreich). Dieses Traktat wurde von Sir John Forbes zitiert, "The Cyclopaedia of Practical Medicine III, S. 171)". Der Autor Giovanni Ghigini war 1839 "erster Chirurg und Hofarzt" in Parma. Hier untersucht er den oft tödlichen Missbrauch einer Spritze ("sciringa", heute "siringa") bei Blasenentleerungsstörungen.
Kochen und Backen
Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert
Los 1048
Nachverkaufspreis
400€ (US$ 455)
Kochen und Backen. Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert. 2 Bände. Deutsche Handschrift auf Bütten. 196 hs. S., Bl., 19 l. w. Bl; 93 Bl. Ca. 23 Zeilen. Schrift: Kurrent. Format: 19,5 x 16,5 cm bzw. 21 x 17,5 cm. (1) Pappband d. Z. (beschabt und bestoßen); (1) Halbleinen d. Z. (beschabt, bestoßen, fleckig, Rücken offen und mit Fehlstellen). Preußen (Wittenburg) 1820-1861.
Die beiden Kochbücher stammen aus Preußen und vereinen daher typische deutsche und französische Gerichte, eines ist aus Wittenburg in Mecklenburg. Sie tragen je einen Titel: "Sammlung von mancherley Recepten zum einmachen und Kochen" und "Kochbuch für A. Henninges". Darin finden sich zahlreiche Rezepte und Anleitungen zum Einmachen, Backen, Kochen und Zubereiten von verschiedenen Gerichten aus der preußischen und französischen Küche. Zum Beispiel: "Grüne Erbsen einzumachen", "Sauce Robert", "Créme à la Vanille zu machen", "Tourte de Créme", "Orangen zu machen", "Kirschen Saft zu machen", "Reis-Kuchen zu machen", "Citronen Kuchen zu machen", "Mandelpudding zu machen", "Borstorffer Aepfel Gelée zu machen", "Pflaumen ahn Zwetschen mit zucker zu trocknen", "Zinn-Brey zu machen", "Eier Schnee zu machen", etc. – Papierbedingt gebräunt, etwas braun- und stockfleckig sowie etwas gewellt. Das Kochbuch aus dem Jahre 1861 mit offenem Innensteg ab Blatt 5 sowie etwas feuchtrandig.
Chasles, Julien
Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier
Los 1050
Nachverkaufspreis
600€ (US$ 682)
Chasles, Julien. Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier. 292 (ab S. 203 alle w.) hs. num. S. Schrift: Gotica textualis, Textura, Bastarda etc. Format: 40,5 x 25 cm. Mit 98 Kopfvignetten in roter, grüner und gelber Tinte gezeichnet. Modernes Halbleder. 1838.
Reich illustriertes Buch über die Arithmetik, von Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division bis hin zu Bruchrechnung. Bis Seite 195 ist jeweils recto eine Kopfvignette in Tinte gezeichnet mit Darstellungen von Hunden, Engeln, Löwen, Kranichen , Pferden, Blumen und Sträußen in Rot, Grün und Gelb. Die letzten fünf Blatt mit Kassenbuch Einträgen von 1895 bis 1905. – Die ersten drei Blatt etwas wurmstichig, durchgehend leicht braun- und stockfleckig. Mit kleinenren Randläsuren, Kopfvignetten teils mit Abklatsch. Die letzten drei Blatt mit Notizen über den Bürgerkrieg in Syrien im Jahr 1860.
Kochbücher
3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier
Los 1051
Nachverkaufspreis
500€ (US$ 568)
Kochbücher. 3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier. 3 Bände. 1 Bl., 169 hs. S., 16 Bl., 121 überwiegend weiße Bl.; 640 hs S., 14 Bl; 192 S., 6 w. Bl., 6 Bl., 28 w. Bl (letztes beschriftet). Schriftraum: 18 x 14 cm bis 20,5 x 16,5 cm. Format: 22 x 17,5 cm bis 19,5 x 15 cm. Pappband d. Z. (etwas lädiert, bestoßen und berieben, 1 Band mit größeren Fehlstellen und Rücken fehlt) 1 Band mit hs. RSchild. Deutschland 1857 bzw. Bochum 1868.
Zwei der Bücher tragen die Titel "Kochkunst" und "Koch-Buch", während das dritte Buch ohne Titel ist. Zwei umfangreiche Kochbücher aus dem deutschen Raum in deutscher, englischer und französischr Sprache mit zahlreichen Rezepten, wie zum Beispiel "gefüllte Kartoffeln", "Blumenkohl mit Baulion", "Spargel mit Eier", "Reisbudding", "Milch Créme", "Zitronen Créme", "Detto à la Villeroi", "Queen-cakes", "Little plummcake to keep long", "Very good common plum-cakes", "Bouillon", "Bouillon clair", "Consommé", "Duppe à la Francaise", etc. – Papierbedingt gebräunt, weiße Blätter teils mit größeren Fehlstellen, mit Randläsuren sowie etwas braun- und fingerfleckig.
Schorn, Carl
Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857
Los 1052
Nachverkaufspreis
100€ (US$ 114)
Schorn, Carl. "Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857". Deutsche Handschrift auf Papier. 88 Bl. Ca. 20-26 Zeilen. Format: 16,5 x 10 cm. Halbleder d. Z. (Rücken stark lädiert) mit hs. VDeckelschild. Aachen und Paris um 1857.
Reisetagebuch des 32-jährigen Carl Schorn, gebürtig aus Essen und Wohnhaft in Cöln. Dem beiliegenden Reisepass zufolge werden seine Personalmerkmale so beschrieben: braunes Haar und Augenbrauen, gebogene Nase, gesunde Gesichtsfarbe, schlanke Statur.
Schorn unternahm seine Reise von Trier über Aachen nach Paris. Die Aufzeichnungen enthalten Beobachtungen zum Wetter, Beschreibungen seiner Tagesrouten sowie Notizen zu besuchten Orten und Gebäuden, darunter Notre dame, das Hôtel de Ville, die Rue Montmartre, Place du Nord, verschiedene Cafés und Restaurants. Ausführlich schildert er den Besuch von Schloss und Park von Versailles; vorhanden ist eine gezeichnete Grundrissskizze des Westflügels mit dem Vorbau. Mehrfach erwähnt er die durch Regenwetter beeinträchtigten Besichtigungen.
Namentliche Erwähnung finden Louis Napoleon, Horace Vernet, Gräfin Pavlowska. – Papierbedingt wenig gebräunt und kaum stockfleckig.
Alemannisches Hausbuch
Deutsche Handschrift auf Papier. um 1860-1893. - Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893
Los 1053
Nachverkaufspreis
150€ (US$ 170)
"Tauschgeschäft" der Badischen Landesbibliothek
Alemannisches Haus- und Jagdbuch. Deutsche Handschrift auf Papier. 158 S., davon 1-147 eng beschrieben, inkl. vorderer Vorsatz. 30-60 Zeilen. Schrift: Kurrent. Format: 16,4 x 10,2 cm. Halbleder d. Z. (etwas beschabt und bestoßen, berieben) mit 1 (statt 2) Bindebändern. Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893.
Von mehreren Händen angefertigte Zusammenstellung von Exzerpten mit Hunderten von Rezepten und Anweisungen für Krankheiten, Kuren, Verwendung von Kräutern und Chemikalien als Heilmittel. Ferner Ausführungen zur Jagd, Fischfang, Pferden und Landwirtschaft. Das Buch fasziniert vor allem durch sein lückenloses Beschreiben des Papiers: Bis auf den äußersten Rand wurde mit sauberer, flüchtiger, gröberer und feinener Feder in schwarzbrauner oder brauner Sepiatinte Rezepte eingetragen gegen allerhand Schmerzen und Haushaltsprobleme, teils mit lateinischen Bezeichnungen der Medikationen und Remedien. Die Schrift wird mit höherwerdender Seitenzahl immer enger und feiner bis fast hin zu einem Mikrogramm-Duktus, die letzten Seiten sind mit Bleistift weitergeführt worden.
Laut dem Germanisten und Mediävisten sowie Medizinhistoriker Gerhard Eis (1908-1982) handelt es sich um eine Handschrift aus dem alemannischen Sprachraum und nachweislich auch um Kompilationen aus Zeitschriften wie etwa dem "Oberkircher Boten", die Zeit zwischen 1860 und 1893 umfassend.
Vgl. den Aufsatz von Gerhard Eis, Alte Jägerkunststücke aus unbekannten Handschriften, in: Zeitschrift für Jagdwissenschaften VII, 1961, S. 127, in der Eis schreibt: "Es werden sechs kurze Rezepte für Jäger mitgeteilt, die in unbekannten altdeutschen Sammelhandschriften überliefert sind. Sie beziehen sich auf die Betäubung von Federwild mit vergifteten Ködern, das Anlocken von Haarwild durch eine stark duftende Salzlecke und auf das böswillige Verscheuchen von Wild durch einen Zauberspruch. Durch den Vergleich, mit anderen Überlieferungen wird die literarische und fachgeschichtliche Stellung dieser Texte bestimmt." – Gelegentliche Gebrauchsspuren, teils leicht gebräunt und fleckig. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 138 mit dessen Eintragung zur Literatur und Stempel. Eis erwarb es auf Angebot der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe, am 3. Febuar 1960 von dem Ersten Bibliothekar Dr. Hannemann als Tauschgeschäft: "Für den 'Ausgleich' ist damit nach unsrer Meinung genug geschehn - wir wollten das 'Tauschgeschäft' auch nur am Rande betreiben" (9. Februar 1960), Korrespondenz mit drei Briefen beiliegend.
Spottlied von der Joppe
Von einer Jubpen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vollständiges Vexierlied
Los 1054
Nachverkaufspreis
300€ (US$ 341)
Tausend Schneider für eine Joppe
Das Spottlied von der Joppe. "Von einer Jubpen, welche ihm ein berckbauer in catolgerland neülich hat machen lassen, daran zwölff tausend Schneider 6 iahr gearbeitet, gantz lustig und kurtzweilig zu singen". Deutsche Handschrift auf Papier. 4 Bl. mit 8 Seiten, 4 w. Bl. 21 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 14 x 10,4 cm. Moderner Pappband mit marmoriertem Deckelbezug (bestoßen). Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Vollständiges, in dieser Fassung unbekanntes Vexierlied in 21 Strophen, deren jede im Refrain um ein Wort länger ist (Vgl. dazu Tschischka-Schottky, Österreichische Volkslieder, wo eine niederösterreichische Fassung des Liedes - vor 1818 - mitgeteilt wird). In dem in Vexierreimen abgefassten Spottlied wird vom Kampf der Schneider mit einer verschnittenen Joppe, einer Männerjacke, geschildert, die letztlich zur Höllenfahrt des Schneiders führt - und somit zum umfangreichen Genre der sogenannten "Schneiderspottlieder" gehört.
"Von einer Jubpen, welche ihm ein berckbauer in catolgerland neülich hat machen lassen, daran zwölff tausend Schneider 6 iahr gearbeitet, gantz lustig und kurtzweilig zu singen. Im Ton Ich lag in einer nacht und schlieff." Das Lied hebt an: Ein berck bauer thät ein Schneider fragen wie viel muß ich ellen Tuch zu einer Jubpen ... mußt du haben.". Es endet "... ich wollt ehe die Jubpen die Jubpen, die Jubpen unterwegen haben gelahn" (etwa: "Einst tut ein Bauer ein Schneider fragen / wieviel Ellen dass er für ein Juppen muss haben / Dreissig Ellen müssen sie haben / wenn sie einen völligen Juppen wollen haben / ... / Den ersten Tag im Monatschein / dann soll der Juppen ganz fertig sein / Der Bauer spannt sechs Ochsen an den Wagen / und wollt den Juppen holen fahren ..."; zit. nach volksliederarchiv.de).
Veröffentlicht von dem bedeutenden Sprachwissenschaftler Hans Josef Vermeer (1930-2010), dem Begründer der Skopostheorie: Hans J. Vermeer, Das Spottlied von der Joppe; in: Ostbairische Grenzmarken, Passauer Jahrbuch X (1968), 328-331. – Geringer Druckschlag, leicht fleckig, Gebrauchsspuren, gut leserlich. Heidelberg, Hs. 146. Vorsatz mit Stempel "Univ.-Prof. Dr. Gerhard Eis". Erworben bei Hans Koch (Inhaber des Antiquariats Jacques Rosenthal) am 16. September 1965 (Brief mit Beleg beiliegend).
Sturhahn, Hermann. Liebe stärker als der Tod. Ein Gedenkbuch aus eiserner Zeit 1914-1918. 6 Bl., 217 (recte: 216) num. Bl., 1 Bl. Mit goldgehöhten, kolorierten, gezeichneten Titel und golgehöhte, kolorierte Zeichnung am Schluss. Pergament d. Z. (minimal fleckig und leicht geworfen) mit goldgeprägtem Rück- und DTitel im Pappschuber (mit größeren Einrissen). Bayern 1914-1918.
Privates, unveröffentlichtes Typoskript über den 1. Weltkrieg von Hermann Sturhahn, der als Leutnant des Res. a. D. im ehemaligen königlichen bayerischen 1. Feld-Artillerie Regiment gedient hat. Sturhahn, der wohl großer Befürworter der Monarchie und später des Nationalsozialismus war, erzählt in dem Werk chronologisch von seinen Erlebnissen in Péronne, Douai, Sedan, "An der Front" und "in der Heimat". "In den folgenden Blättern sollen keine grossen Ereignisse aus dem Weltkriege berichtet werden. Sie sollen vielmehr die stille Tätigkeit des Roten Kreuzes und der Feldgeistlichen, patriotische und kirchliche Feste schildern, sowie von ernsten Totenfeiern reden, die Leser in Lazarette, auf Friedhöfe und zu historischen Gedenkstätten führen und nebenbei auch mit dem Leben und den Gesinnungen einiger französischen Familien bekannt machen." (Vorwort). – Vorsatz und fliegendes Blatt mit drei verschiedenen Exlibris aus der Familie "Sturhahn", eines geschnitten von Otto Hupp. Mit drei hs. Widmungen je 21-Zeilen, 40-Zeilen und ein 6-Zeilen langes von Rudolf Ritter und Edler von Xylander.
Indopersische Miniaturen
4 Blätter Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert
Los 1058
Nachverkaufspreis
130€ (US$ 148)
Indopersische Miniaturen. 4 Einzelblätter aus verschiedenen indopersischen Handschriften mit 4 Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Verschiedene Formate. Ca. 20,5 x 14 cm bis 24,5 x 17 cm. Wohl indopersischer Raum 19. Jahrhundert.
Fein ausgearbeitete Miniaturen, die ein kleines Panorama des höfischen Lebens der persischen Fürsten bieten. Eine Darstellung zeigt eine Jagdszene, in der ein Reiter mit einem Säbel zum finalen Schlag gegen einen Tiger ansetzt, während weitere Miniaturen die aristokratischen Zusammenkünfte von Fürsten in Gartenhäusern oder prächtigen Gemächern abbilden. Die Gruppierungen der Figuren sind dabei meist in ein hierarchisches Gefüge arrangiert: Im Zentrum stehen hochrangige Personen, umgeben von ihren Untergebenen. – Teils etwas wasserfleckig. Verso jeweils handschriftlicher Text. Im weißen Rand meist mit Randläsuren und kleinen Löchlein (Spuren einer früheren Bindung).
Parabaik
3 birmanische (burmesische) Leporellos mit Illustrationen in Federzeichnung und Text
Los 1061
Nachverkaufspreis
500€ (US$ 568)
Parabaik. 3 birmanische (burmesische) Leporellos mit Illustrationen in Federzeichnung und Text auf Khoi Papier. Zwischen 12 x 37 und 17,5 x 40,5 cm. Birma (auch Burma, heute Myanmar) Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert.
Parabaik-Leporellos auf Khoi Papier, einer Art Rinde, die dem Maulbeerbaum-Papier vergleichbar ist. . Vorhanden sind zwei schwarze und ein weißes Parabaik. Die beiden schwarzen, kleineren enthalten meist naturwissenschafrtlich-technische oder lexikalische Texte, die weißen hingegen zeigen die Welt der Götter oder das Leben am Hofe.
1) Schwarzes Parabaik, wohl ein astronomisches Parabaik. 20 Kompartimente 12 x 37 cm. Ausgefaltet 240 x 37 cm. Birmanische Abugida in Schwarz, Rot und Violett. Mit figurativen und geometrischen Tabellen, Zeichnungen in Feder, mit Rot und grauem Bleistift gehöht, Kämpfer und Tierkreiszeichen darstellend. Schwarz-dunkelbraune Khoi-Deckel.
2) Schwarzes Parabaik, wohl mit enigmatischen Weissagungen und religiösen Prophezeihungen. 12 Kompartimente. 17 x 39 cm. Ausgefaltet 204 x 39 cm. Birmanische Abugida in Schwarz, Rot und Bleistift. Mit zentralem Schlangegeflecht-Symbol und 10 figürlichen Darstellungen sowie Tabellen und kalligraphisch umschriebenen Symbolfiguren. Teils in Feder, Bleistift mit Rot gehöht. Schwarz-dunkelbraune Khoi-Deckel.
3) Großes weißes Parabaik, mit Darstellungen der göttlichen Sphären, Schöpfungsgeschichte nach dem Theravada-Buddhismus. 18 Kompartimente. 17,5 x 40,5 cm. Ausgefaltet 315 x 40,5 cm. Birmanische Abugida in schwarzer Feder und ca. 40 Federzeichnungen in schwarzer Tinte: Menschen im Paradies und der Hölle (mit drastischen Darstellungen der Folter im Naraka und der Wiederausferstehung im Nat-pyi), alles in bemerkenswert feinen, überaus phantasievollen Zeichnungen. Besonders reizvoll sind hier sicherlich die verschiedenen Nga-ye-Sphären der 16 Höllenbereichen, die sich in acht kalte Orte (ein Teufel stürzt eine Frau den Berg hinunter oder ersäuft sie im kalten Wasser, ein Jüngling wird gekreuzigt, oder ihm kopfüber die Glieder gebrochen) und acht heiße Orte teilt (Teufel kochen die Seelen in den Kesseln und verbrennen die Menschen im Höllenfeuer). Weiße gestrichene Khoi-Deckel mit schwarzer Lackverzierung in Rahmenform.
Jacobus Philippus Foresti de Bergamo
De claris selectisque mulieribus
Los 1068
Nachverkaufspreis
3.800€ (US$ 4,318)
Erste und einzige Inkunabelausgabe eines der faszinierendsten illustrierten Bücher der italienischen Renaissance
Jacobus Philippus Foresti de Bergamo. De claris selectisque mulieribus. Hrsg. Albertus de Placentia und Augustinus de Casali. 173 (statt 176) Bl., Bl. 7-176 nummeriert Folio III-CLXX (CLIX, CXXII doppelt gezählt). 45 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 24,5 x 14,5 cm. Format: 31,6 x 21,4 cm. (Holzschnitt-Titel und Frontispiz-Holzschnitt in Kopie auf Bütten beigebunden). Mit 1 (von 2) ganzseitigen und 52 (statt 54) kleineren Textholzschnitten. Flexibler Pergamentband im Stil des 16. Jahrhunderts mit typographischem RTitel (leicht angestaubt). Ferrara, Laurentius de Rubeis, 29.IV.1497.
Hain-Copinger 2813. GW 14125. Goff J-204. Proctor 5762. Pellechet 2069. Sander 915. Abbott 119. Borm 1486. Chiodi, Bergamo, 644. Collijn 558. Günther 1053. Madsen 2132. Oates 2246. 2247. Schlechter-Ries 666. Sheehan 44. BMC VI, 613. BSB-Ink I-120. CIBN J-140. CBB 1497. CBS 2144. CIH 1872. CIR J-28. IBE 3140. IBP 2967. IDL 2608. IGI 5071. ISTC ij00204000. – Erste Ausgabe. Jacobus Philippus, auch unter seinem Familiennamen Foresti de Bergamo (oder Forestus Bergomensis) bekannt, war ein Augustiner-Eremit, Autor eines Confessionales (Confessionale seu interrogatorium, Venedig, Alessandro Bindoni, 1520.) und einer vielfach nachgedruckte Weltchronik (Supplementum Chronicarum, Venedig, Bernardino Benali, 1483).
Die Widmung seiner "Abhandlung über berühmte Frauen" (De claris selectisque mulieribus) an Beatrice von Aragon, der Witwe des Matthias Corvinus von Ungarn, lässt vermuten, dass das Werk möglicherweise aus einem früheren Manuskript gedruckt wurde, da Beatrice 1491 verstorben war. Eine mögliche Bestätigung dieser Theorie liefert der Holzschnittrahmen aus dem Jahr 1493, der wie alle anderen Holzschnitte hier zum ersten Mal erscheint; dies deutet darauf hin, dass der Drucker Rossi das Werk möglicherweise schon mehrere Jahre zuvor geplant hatte.
Zu den porträtierten Frauen gehören zahlreiche Heilige und historische Persönlichkeiten, darunter Jeanne d'Arc, Margarete von Anjou und Maria Stuart, sowie einige italienische Zeitgenossinnen des Autors. Der Urheber der feinen Holzschnitte ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich haben mehrere Künstler zu den Illustrationen beigetragen. Man kann einen gewissen Kontrast zwischen dem Stil der Frauenporträts mit den feineren Konturen der Umrandungsschnitte feststellen, wobei letztere einen deutlichen venezianischen Einfluss zeigen. Fünf der sieben Porträts können identifiziert werden: Bianca Maria Sforza, Catherina Sforza (Gräfin von Forli und Imola), Leonora von Aragon (Ehefrau von Ercole d'Este), Danisella Trivulzia und Cassandra Fidelis. Sander bezeichnete diese eindrucksvollen Porträts als "precieux comme premières tentatives dans les arts graphiques de faire des portraits d'après nature".
Der Textbeginn (a1v) mit dem großen, ganzseitigen, von zwei Stöcken gedruckten Holzschnitt, der das Leben Mariae in acht besonders feinteiligen Szenen - und in bestem Abdruck - zeigt, in einer beschonders schönen, architektonisch-perspektivischen und reich mit figürlichen Szenen geschmückten Bordüre. Der Text ist üppig illustriert mit 56 verschiedenen Holzschnitten, von denen einige wiederholt werden, insgesamt 172 Porträts berühmter Frauen. – Es fehlen Blätter 1 und 3 (A1,3) mit dem Holzschnitt-Titel und der ganzseitigen Holzschnitt-Dedikation sowie Fol. CXXXIII mit 2 kleinen Textholzschnitten (alle drei in Faksimile auf Büttenpapier eingebunden). Das letzte Blatt mit dem Kolophon ist vorhanden, aber in der untere Ecke abgerissen und restauriert, die Holzschnitt-Druckermarke wurde als Faksimile ersetzt, Blätter XXXII und XXXXI-XXXXVI sorgfältig neu beschnitten, CXXXII mit kürzeren Rändern, alle aus einem anderen Exemplar. Sonst nur vereinzelte kleinere Gebrauchsspuren, selten etwas fleckig, insgesamt sauber und frisch und bemerkenswert breitrandig.
Afflitto, Matteo de
In utriusque Siciliæ, Neapoliq. sanctiones, & constitutiones novissima prælectio. Prima pars super primum librum
Los 1070
Nachverkaufspreis
400€ (US$ 455)
ALTE DRUCKE VOR 1600
Afflitto, Matteo de. In utriusque Siciliæ, Neapoliq. sanctiones, & constitutiones novissima prælectio. Prima pars super primum librum [und:] Secunda super secundum, Tertium Librum. 2 Teile in 1 Band. 2 Bl., 302 S.; 2 Bl., 222 S., 50 (2 l. w.) Bl. Mit 2 Holzschnitt-Vignetten auf dem Titel. 32 x 21,5 cm. Flexibles Pergament d. Z. (stark lädiert, vom Block gelöst, fleckig, mit Einrissen und ohne die Verschlussbändchen) mit hs. RTitel. Venedig, Johann Varisco,1562.
Vgl. Adams, I. 11 (aus dem Jahr 1588). STC 10 (aus dem Jahr 1580). – Wohl erste Ausgabe. Matteo d'Afflitto (1447-1523) war ein neapolitanischer Jurist und konzentrierte sich auf das Feudalrecht, auf das Ius Patrium und das indigene neapolitanische Gesetz. Zu seinen Hauptwerken gehören: "Tractatus celeberrimus de iure sive diure congrui", "Commentaria super primo (-tertio) fehherum libro" oder "S.R. Consilii Neapolitanien".
Von uns konnte kein weiteres Exemplar in einer deutschen Bibliothek (nur mehrere in italienischen Bibliotheken) ausfindig gemacht werden. – Stock-, braun- und fingerfleckig, knickspurig und teils feuchtrandig. Sehr selten.
Bachmann, Paul
Czuerrettung den schwachen Ordens personen
Los 1079
Nachverkaufspreis
250€ (US$ 284)
Bachmann, Paul. Czuerrettung den schwachen Ordens personen ... eyn Trostlich Rede. 51 Bl. Mit breiter Holzschnitt-Titelbordüre. 18,5 x 14 cm. Modernes Halbpergament mit goldgeprägtem Deckeltitel und Rotschnitt. (Dresden, Hieronymus Emser), 1524.
VD16 B 29 – Einzige Ausgabe. Der Zisterzienser und Abt Paul Bachmann (zwischen 1465 und 1468-1538) war einer der stärksten Kritiker und Gegner Luthers in Sachsen und veröffentlichte gemeinsam mit Hieronymus Emser (1478-1527) mehrere Streitschriften. In dieser Trostschrift für Konventuale ebenfalls ein Beitrag von Emser. – Rand knapp beschnitten (teils etwas Textverlust der Marginalien). Leicht gebräunt, sehr gut erhalten.
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