Corona Imperialis Polyanthos (Kaiserkrone).
Kupferstich mit zeitgenössischem Kolorit. 49,6 x 38,6 cm. Um 1613. Wz. Schlange am Stab.
Die "Kaiserkrone", ursprünglich aus Vorderasien stammend und seit dem späten 16. Jahrhundert auch in Mitteleuropa beheimatet, ist ein Blatt aus dem berühmten „Hortus Eystettensis“, in dem Basilius Besler gewissermaßen die Schönheit der Schöpfung in Gestalt von Pflanzen feiert.
Ganz ausgezeichneter Druck mit reichem Kolorit, mit schmalem Rand um die Plattenkante. Geringe Gebrauchsspuren, unten hinterlegter horizontaler Einriss nahe der Plattenkante, recto jedoch kaum wahrnehmbar, minimale Randläsuren, verso umlaufend braunes Klebeband, sonst sehr gut erhalten.
Barocker Kokosnussdeckelpokal.
Kokosnuss, rauh belassen, gehalten von drei Spangen mit weiblichen Hermen, steiler hoher Lippenrand und Fuß mit einfachen gravierten Ornamenten, Schaft als hohe Vase mit drei Griffen und Maskaronverzierung, Kupfer, feuervergoldet. Höhe ca. 29,5 cm. Süddeutsch, 17. Jh.
Als seltene Naturalien fanden Kokosnüsse häufig Eingang in die Kunst- und Wunderkammern der Renaissance und des Barock. Sie waren in erster Linie Schaustücke; aufgrund ihrer Exotik wurde ihnen außerdem, wie allen tropischen Nüssen, auch eine magische Wirkung nachgesagt. Die verarbeiteten Naturalien wurden vor allem im 17. Jahrhundert in Augsburg oder Nürnberg mit kostbaren Fassungen versehen und so zu Tafelaufsätzen und Stücken einer fürstlichen Kredenz.
Literatur: Vgl. Rolf Fritz: Die Gefässe aus Kokosnuss in Mitteleuropa 1250-1800, Mainz 1983, Kat. 165 mit Abb. Tafel 90.
Deutsch
um 1820. Kirazli Bent im Belgrader Wald bei Istanbul
Los 6312
Nachverkaufspreis
2.500€ (US$ 2,874)
um 1820. Die Kirazli Bent (Talsperre) im Belgrader Wald bei Istanbul.
Aquarell auf Velin. 38,8 x 68,8 cm.
Die unter Sultan Mahmud II. im Jahr 1818 erbaute Kirazli Talsperre ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Sie war Teil der bedeutenden Kirkcesme-Leitung, einer der drei großen Systeme, die Istanbul mit Wasser versorgten. Ihren Namen verdankte die Wasserleitung dem Stadtviertel Kirkcesme, das zwischen dem Valens-Aquädukt und dem Pantokrator Kloster lag. 12600 Kubikmeter Wasser flossen täglich in die niedriger gelegenen Stadtviertel am Goldenen Horn und an der Marmara-Küste.
Deutsch
Anfang 19. Jh. Die Platane des Hippokrates auf Kos
Los 6313
Nachverkaufspreis
300€ (US$ 345)
Anfang 19. Jh. Die Platane des Hippokrates auf Kos.
Schwarze Feder, grau laviert, grün aquarelliert, auf Büttenpapier aufgelegt. 21 x 30 cm. Bezeichnet in Feder unter der Darstellung "Ahorn auf Kos" sowie auf dem Untersatzpapier alt bezeichnet "Dieser Platanus auf der Insel Puthmos ist wegen seiner Größe berühmt, der Stamm hat 34 Fuß im Umfange, die Ausbreitung seiner Aeste 199 Fuß im Durchmesser. Sie beschattet das Grab eines türkischen Heiligen, einen Brunnen (?) und ein Kaffeehaus.", verso in Bleistift "Platane des Hippokrates".
Auf Kos soll der bekannte Arzt Hippokrates geboren sein, dessen Eid die Mediziner noch heute abgeben, bevor sie in ihren Berufsstand eintreten. Die Platane, unter der sich Hippokrates regelmäßig ausgeruht haben soll, befindet sich noch heute in der Stadt und zählt zu den besonderen Sehenswürdigkeiten. Ihre ausladenden Äste spenden einem osmanischen Brunnenhaus und einer Teestube Schatten, im Hintergrund erkennt man das Minarett einer Moschee und osmanische Holzhäuser. All dies spiegelt die Anwesenheit der Osmanen wieder, welche von 1523 bis 1911 auf der Insel residierten.
Paoletti, Rudolf
Der Friedhof in Ejub bei Konstantinopel
Los 6314 [*]
Nachverkaufspreis
500€ (US$ 575)
Der Friedhof in Ejub bei Konstantinopel.
Aquarell über Bleistift, aufgezogen und in ein Passepartout montiert. 19,8 x 27,8 cm. Unten rechts bezeichnet, datiert und signiert "Constantinopel / [1]910 / RPaoletti".
Die vorliegende Ansicht zeigt den Friedhof von Ejub (heute Eyüp) am Goldenen Horn in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Der Ort zählt zu den bedeutendsten islamischen Begräbnisstätten der osmanischen Metropole. Um die Eyüp-Sultan-Moschee gelegen, entwickelte sich das Areal seit dem 15. Jahrhundert zu einem bevorzugten Bestattungsplatz für Würdenträger, Gelehrte und Angehörige der städtischen Elite.
Die Darstellung lenkt den Blick auf die charakteristischen osmanischen Grabsteine: hoch aufragende Stelen mit kalligrafischen Inschriften und symbolischen Kopfbedeckungen, die Rang, Beruf oder Geschlecht der Verstorbenen anzeigen. Turban- oder Fesformen verweisen auf männliche Amtsträger, florale Ornamente auf weibliche Gräber. Die Grabmale stehen dicht zwischen Bäumen, eingebettet in eine parkähnliche Landschaft - ein Hinweis auf das osmanische Verständnis des Friedhofs als durchlässigen, lebendigen Erinnerungsraum. Die anwesenden, trauernden Frauen betonen die soziale Funktion des Ortes als Raum des Gedenkens, des Gebets und der Gemeinschaft.
Im Islam wird der Friedhof als "Maqbara" bezeichnet. Er ist primär ein Ort der Besinnung auf die Vergänglichkeit des Lebens und der Erwartung der Auferstehung am Jüngsten Tag. Die Gräber sind traditionell schlicht angelegt; Prunk und figürliche Darstellungen sind im sunnitischen Kontext weitgehend vermieden. Stattdessen prägen Inschriften aus dem Koran, Segenswünsche und Angaben zur Person des Verstorbenen die Grabsteine.
19. Jh. Sultanin mit Fes und Feder auf reich verziertem Turban; Sultan mit Fes und Feder geschmücktem Turban.
2 Zeichnungen, je Gouache auf graublau gestrichenem Bütten, teils verso nochmals gouachiert, aufwendig und detailliert gestanzt. Ca. 50 x 50 cm (lichtes Maß).
Die beiden Gegenstücke faszinieren aufgrund ihrer besonderen Hinterglas-Technik. Die Papier sind aufwendig und mit reichem Detail in den Gesichtern der Dargestellten und in der Rahmung gestanzt. Auf diese Weise kann das Licht von hinten durch die Zeichnungen hindurchfallen und verändern die beiden Kunstwerke, sie scheinen mit Juwelen verziert.
Die Dargestellten tragen beide den Tarbusch, auch als Fes bekannt. Es ist eine traditionelle, meist rote Kopfbedeckung in Form eines Kegelstumpfes mit flachem Deckel, oft verziert mit einer schwarzen Quaste. Die Kopfbedeckung wurde nach der marokkanischen Stadt Fès benannt und war im Osmanischen Reich und dem Balkan weit verbreitet. Im 19. Jahrhundert galt der Fes als modisches und sogar intellektuelles Symbol.
Provenienz: Aus der Sammlung Graf von Rechteren-Limpurg, Schloss Sommerhausen bei Würzburg (laut Auskunft des Vorbesitzers).
Die Sultanin.
Radierung und Kupferstich nach Carle van Loo. 47,5 x 36,5 cm. IFF 79, Dairaine 42, Le Blanc 68 II.
Van Loo stellt einen zentralen Moment der osmanischen Kultur dar, der bis heute Wichtigkeit behält. Die Kaffeezeremonie wurde in speziellen Kaffeehäusern in Konstantinopel (heute: Istanbul) und im Palast der Sultane zelebriert. Häufig wurde dabei, wie im Bild gezeigt, der Genuss der Pfeife mit dem aromatischen Heißgetränk kombiniert.
Prachtvoller, harmonischer Druck mit dem vollen Rand. Geringfügige Altersspuren, sonst tadelloses Exemplar.
Nahl, Karl (Charles) Christian
Tête-à-Tête im Serail
Los 6326
Nachverkaufspreis
10.000€ (US$ 11,494)
Tête-à-Tête im Serail.
Öl auf Metall. 38 x 30,7 cm. Unten rechts signiert und datiert "Carl Nahl / 1843".
Bekannt wurde Karl Nahl, der sich seit seinem Studium in Paris Charles nannte, als einer der erfolgreichsten Künstler Kaliforniens in den 1860er und 1870er Jahren. Er war 1849 auf der Suche nach neuen Möglichkeiten nach New York ausgewandert, wo er bald dem Goldrausch erlag und gegen Westen zog. Mehr Glück als die Goldsuche brachte ihm die Eröffnung eines Ateliers in San Francisco, mit dem er in der Region zu einem gefragten Künstler avancierte. Vorliegendes Gemälde stammt noch aus der Frühzeit des Künstlers im heimatlichen Kassel. Die Faszination für die Fremde, die sich hier als imaginierte Orientvision äußert, tritt schon deutlich zutage. Dabei gelingt ihm durch die gekonnte Behandlung des diffusen, weichen Lichtes von Mond und indirektem Leuchtmittel eine besonders sinnliche, taktile Wiedergabe der glitzernden Edelsteine und golddurchwirkten Stoffe.
Muskatreibe.
Bräunierter Stahl mit Silberfassung. Korpus: Manufaktur Matthew Boulton, Birmingham 1795; Silberfassung: Matthew Linwood & Son, Birmingham ab 1813 (Punze im Boden). Höhe 8,4 cm, Breite 4,2 cm, Tiefe 2,6 cm. Gesamtgewicht 59,7 g. England, um 1820.
Der Muskatnussbaum war ursprünglich nur auf den Banda-Inseln und den nördlichen Molukken in Indonesien beheimatet. Nachdem der portugiesische Seefahrer Afonso de Albuquerque den Weg zu den sogenannten Gewürzinseln gefunden hatte, begannen die Portugiesen ab 1512 damit, die Muskatnuss als Handelsware von den Banda-Inseln erstmals nach Europa einzuführen. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Muskatnuss zum sprichwörtlichen Gold Ostindiens. Briten, Spanier, Portugiesen und Niederländer bekriegten sich wegen der Frucht des Muskatnussbaumes. Als die Muskatnuss in England in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als die einzig wirksame Medizin gegen die Pest gepriesen wurde, waren die Preiserhöhungen nicht mehr aufzuhalten. Der Verkaufspreis in Europa lag zeitweise mehr als 300-mal höher als der Einkaufspreis auf den Banda-Inseln.
Im Souk von Tanger.
Aquarell und Deckweiß, mit späteren Überarbeitungen in Aquarell auf J. Whatman-Velin. 23,8 x 35,7 cm. Unten links in brauner Feder signiert, datiert und eigenh. bez. "Ludwig Hans Fischer 1882" und "Tanger", ferner in schwarzer Feder bez. "Suk".
Bodenehr I., Gabriel
Prospect der Stadt Caschan in Persien
Los 6333
Nachverkaufspreis
200€ (US$ 230)
Prospect der Stadt Caschan in Persien, fünff tag reisen von Isphahan.
Radierung auf zwei zusammengefügten Bögen. 17,9 x 48,8 cm. (Augsburg, um 1720). Nicht bei Le Blanc. Wz. Doppelkreis mit angehängtem S.
Gesamtansicht der Seidenweberstadt Keshan im heutigen Iran basierend auf einer Darstellung von Olearius. Ausgezeichneter Druck unten mit dem Text, sonst bis an die Darstellung bzw. mit sehr feinem Rändchen. Leicht angestaubt, Trockenfalte sowie vertikale Faltspuren, Knitterfalten rechts, Rostfleck über der Hügelspitze links, weitere kleine Flecken, sonst in guter Erhaltung.
Regnault de Maulmain, Émile
Die Heimführung der Braut: Eine kleine Karawane in der Wüste mit Kamel und Howdah
Los 6334
Nachverkaufspreis
10.000€ (US$ 11,494)
Die Heimführung der Braut: Eine kleine Karawane in der Wüste mit Kamel und Howdah.
Öl auf Leinwand, doubliert. 33 x 46 cm. Unten links signiert und datiert "E. Regnault [18]82".
Eine kleine Gruppe von Reitern auf Pferden und Kamelen sowie einigen Beduinen zu Fuß geleiten eine Braut zu ihrem zukünftigen Ehemann. Die Braut befindet sich im Howdah, einer auf dem Rücken des Kamels befestigten Sänfte. Kostbare Tücher verbergen die Frau vor den Augen ihrer Begleiter. Émile Regnault de Maulmain, Schüler von Louis Lamothe und Alberto Pasini, reüssierte vor allem mit seinen orientalistischen Gemälden und Veduten, die er zwischen 1863 und 1882 im Salon in Paris ausstellte.
Sattler, Hubert
Lastenkamele in einem Beduinenlager
Los 6335 [*]
Nachverkaufspreis
500€ (US$ 575)
Lastenkamele in einem Beduinenlager.
Bleistift auf Velin. 19,2 x 27,4 cm. Rechts signiert und datiert "Hubert Sattler 1846".
Hubert Sattler bereiste in zwei Reisen ausgiebig den Orient. 1842 führte ihn seine Reiseroute in das Heilige Land von Syrien, Libanon bis Alexandria. Nur zwei Jahre später von 1844 bis 1845 erkundete er Ägypten, Sinai und Nubien bis Wadi Halfa. Anschließend präsentierte Sattler in mehr als 300 Kosmoramen das Gesehene dem mitteleuropäischen Publikum - pharaonische Altertümer, Landschaften, Szenen aus dem modernen Leben. Sattler gibt sogar hieroglyphische Inschriften exakt wieder, wobei er die umfassende Motivsammlung erst zu Hause in Öl umgesetzt hat. Seine Orientmalerei diente der Verbreitung von Wissen über die fernen Länder.
Werner, Carl - nach
"Grabmal des Schech Ababde in Minieh" (Al-Minya) in Mittelägypten
Los 6338
Nachverkaufspreis
300€ (US$ 345)
nach. "Grabmal des Schech Ababde in Minieh" (Al-Minya) in Mittelägypten.
Aquarell über Bleistift, weiß gehöht. 26 x 38,7 cm. Bezeichnet und datiert unten rechts "K. Stöcker. / 187[?]".
Als Frucht der zweiten Orientreise veröffentlichte Werner im Wandsbecker Gustav W. Seitz Verlag ab 1871 eine Folge von 24 seiner entstandenen Aquarelle in Form von Chromolithographien. Dieser folgte 1878 eine englische Ausgabe und 1881 im Seitz-Verlag eine verkleinerte Edition. Das feinsinnig ausgeführte Aquarell wird in Nachfolge dieser Publikationen entstanden sein.
Löffler, August
Sonnenuntergang über dem Nil, im Hintergrund die Pyramiden von Gizeh
Los 6339
Nachverkaufspreis
1.500€ (US$ 1,724)
Sonnenuntergang über dem Nil, im Hintergrund die Pyramiden von Gizeh.
Öl auf Leinwand. 36,7 x 61 cm. Unten links signiert, datiert und bezeichnet "Aug. Löffler 1853 München".
Der Maler August Löffler reist 1849 nach Ägypten, Palästina, Syrien und Kleinasien. 1864 veröffentlicht er zusammen mit Moritz Busch die Publikation „Bilder aus dem Orient“, darin schildert er eindrücklich die Erfahrungen seiner Orientreise. Für ihn „bestand das Bild des Orients aus Namen, Stimmungen, vor allem aber aus dem Licht der ‚Sonne des Südens‘. Den Künstler begeisterte die orientalische ‚Lichtatmosphäre von zauberhaftem Reiz‘, das ‚falbe Zwielicht‘, der ‚tief orange-gelbe Abendhimmel‘, das ‚brennende warme Violet von Gebirgen unter diesem Himmel‘ und ‚das flimmernde Goldgelb von Wüsten und der Gluth des Mittags‘“ (Karin Rhein: Deutsche Orientmalerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Bristol u.a. 2003, S. 141). Sicherlich inspiriert durch das geschichtsphilosophische Bewusstsein seines Lehrers Carl Rottmann, bricht auch Löffler mit dem idealisierten Landschaftsbild und stellt geschichtlich bedeutsame Orte in ihrem gegenwärtigen Zustand als Denkmäler der Menschheitsgeschichte dar. Das vorliegende Gemälde drückt ein Gefühl der Zeitlosigkeit und Unberührtheit aus, das vor allem durch die menschliche Abwesenheit und die distanzierte Sichtweise hervorgerufen wird. Erkennt der Betrachter im Vordergrund die Palmen und Sträucher des dicht bewachsenen Nilufers noch deutlich, so taucht die Farbenglut der untergehenden Sonne den Hintergrund in ein dramatisches, rot-oranges Licht, in dem sich in der Ferne die Silhouetten der berühmten Pyramiden von Gizeh nur noch schwach abzeichnen.
Alizard, Joseph-Paul
Bildnis eines Mannes mit Fes im türkisen Gewand mit Goldstickerei
Los 6340
Nachverkaufspreis
4.000€ (US$ 4,598)
Bildnis eines Mannes mit Fes im türkisen Gewand mit Goldstickerei.
Öl auf Leinwand. 55 x 46 cm. Unten links signiert, datiert und bez. "Paul Alizard. 12 Juillet 1891 Rennes".
Ein junger Mann mit Fes und golddurchwirktem Gewand blickt sehnsuchtsvoll in die Ferne, hinter ihm eine unbestimmte Landschaft, die im roten Abendlicht versinkt. Alizard zeigt das romantisch verklärte Bild eines Menschen, der der Kleidung nach zu urteilen, aus dem nördlichen Afrika stammt. Alizard studierte ab 1888 in Rennes und später in Paris, wobei sich in diesem Werk insbesondere die auch in Frankreich stark ausgeprägte Faszination der Künstler für den Vorderen Orient widerspiegelt.
Im Souk in Kairo.
Aquarell über Bleistift auf dünnem Karton. 21,2 x 31,8 cm. Unten links signiert "Fiedler", mit dem alten Etikett der Wiener Galerie Herrmann verso auf dem Rahmen.
Kosler, Franz Xaver
Grab mit Baldachin in der Nekropolis von Kairo
Los 6343
Nachverkaufspreis
1.200€ (US$ 1,379)
Grab mit Baldachin in der Nekropolis von Kairo.
Öl über Bleistift auf Spanplatte. 24,5 x 35,8 cm. Um 1903.
Bei der Ölstudie handelt es sich um eine Vorstudie für das muslimische Grabmal, das sich am linken Bildrand des großformatigen, 1903 datierten Gemäldes "Das Totenfest an den Gräbern bei Kairo" befindet, das im Jahr 2007 bei Sotheby's, London (Auktion am 27. Juni, Los 129 als "Orientalischer Friedhof bei Kairo") angeboten wurde. - Kosler lernte an der Wiener Akademie der bildenden Künste in der Spezialschule für Historienmalerei bei dem Orientmaler Leopold Carl Müller, bevor er Studienreisen auf den Balkan und nach Ägypten unternahm. In Kairo hatte Kosler seine erste Ausstellung, die ihm verschiedene Aufträge einbrachte. Seine sorgfältig ausgeführten Gemälde, die deutlich den Einfluss seines Lehrers erkennen lassen, zeigen fast ausschließlich orientalische Sujets, wobei die meisten Motive aus Äypten stammen.
Roberts, David - nach
Ansichten aus Ägypten und Jordanien
Los 6345 [*]
Nachverkaufspreis
800€ (US$ 920)
nach. Ansichten aus Ägypten und Jordanien: Pyramide of Geezeh; Entrance to the tombs of the kings of Thebes - Biban-el-Molook; Grand entrance to the Temple of Luxor; Site of Petra.
4 Farblithographien von Louis Haghe. Folio. London, F. G. Moon, 20 Threadneedle Street. 1842/1848.
Besonders infolge von Napoleons Ägyptischem Feldzug stieg in Europa die Faszination für die Kultur, Kunst und Architektur des alten Ägyptens und Vorderen Orients sprunghaft an. Expeditionen und wissenschaftliche Unternehmungen ließen ein neues Bild dieser Länder entstehen - verbreitet durch die noch junge Technik der Lithographie, die detailreiche Darstellungen in größerem Umfang zugänglich machte. Der schottische Künstler David Roberts bereiste zwischen 1838 und 1840 Ägypten, die Sinai-Halbinsel, Palästina, Jordanien und die Küste des Libanon, und hielt seine Eindrücke in zahlreichen Zeichnungen fest. Die auf dieser Reise entstandenen Vorlagen bildeten die Grundlage für seine später publizierten Lithographien, die durch ihre Verbindung von architektonischer Genauigkeit und atmosphärischer Wirkung maßgeblich zur Orientbegeisterung des 19. Jahrhunderts beitrugen.
Ridinger, Martin Elias
Camel mit einem Höcker ...; Ein Camel mit zwei Höckern ...; Kamele in ganzen u. halben Figuren; Kamele mit Becken- und Paukenschlägern
Los 6347
Nachverkaufspreis
300€ (US$ 345)
Camel mit einem Höcker; Ein Camel mit zwei Höckern; Kamele in ganzen u. halben Figuren; Kamele mit Becken- und Paukenschlägern.
4 Radierungen nach Johann Elias Ridinger. Je ca. 32 x 21,5 cm. Um 1745. Thienemann 530, 531, 533, 534.
Aus einer, laut Inschrift nach dem Leben gezeichneten Serie mit sechs Blatt zu Kamelen und zwei Blatt mit Büffeln. Ganz ausgezeichnete Drucke mit Rand. Besonders in den Rändern etwas angestaubt, ein Blatt mit Knickfalte durch die linke untere Ecke, ansonsten in sehr guter Erhaltung.
Englisch
19. Jh. . Felucken im Nildelta in Ägypten.
Los 6349 [*]
Nachverkaufspreis
600€ (US$ 690)
19. Jh. Felucken im Nildelta in Ägypten.
Aquarell, aufgezogen. 31,3 x 41,5 cm. Monogrammiert "A.W.R.".
Französisch oder Italienisch
um 1900. Die Ruinen von Karnak bei Luxor in Theben
Los 6350
Nachverkaufspreis
2.000€ (US$ 2,299)
um 1900. Die Ruinen von Karnak bei Luxor in Theben.
Öl auf Papier, auf Leinwand kaschiert. 33,2 x 47 cm. Unten rechts von fremder Hand bez. "L. H. Fischer".
Ägypten entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Reiseziel für viele Künstler und avancierte ähnlich wie zuvor Italien zu einem Ort der Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung. Besonders die pharaonischen Denkmäler wurden zunehmend zum Fokuspunkt vieler Reisezeichnungen. Oft fertigten die Künstler vor Ort nur Studien an, wie der Maler im linken Bildfeld, der seinen Blick zum Obelisken und der Säulenhalle des Tempel von Karnak richtet. Die zum Teil noch verschütteten Ruinen luden zur verweilenden Erkundung ein, die zahlreichen vornehm gekleideten europäischen Personen im Bild verdeutlichen dies. Eine ähnlich angelegte Szenerie, jedoch mit differierendem Monument, stellt Johann Victor Krämers (1861-1949) Der Felsentempel von Abu Simbel aus dem Jahr 1899 im Wien Museum dar (Inv. Nr. 75456). Die durch Leopold Carl Müller verbreitete Wiedergabe der Nilregion in atmosphärischen, sonnengetränkten Landschaften wird auch den Maler der größten Tempelanlage Ägyptens in Theben beeinflusst haben, die in der späten Abendsonne in hellem Beige und Rot erstrahlt.
Hildebrandt, Eduard
Nillandschaft mit Pyramiden im Abendlicht
Los 6351
Nachverkaufspreis
7.000€ (US$ 8,046)
Nillandschaft mit Pyramiden im Abendlicht.
Öl auf Leinwand, auf Spanplatte kaschiert. 96 x 141 cm. Unten rechts signiert und datiert "E. Hildebrandt 1852".
Hildebrandts Landschaftsbilder zeugen von seinen umfassenden Reisen um den Globus, durch die er sich ein hohes Ansehen und 1855 eine Professur an der Akademie der Künste in Berlin verdiente. Die Bekanntschaft mit Alexander von Humboldt und das durch ihn erwirkte Reisestipendium des Künstlers nach Nordamerika und Brasilien (1844-1845), auf das die Anstellung als königlicher Hofmaler am preußischen Hof unter Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) folgte, war der Beginn seiner lebensumspannenden Reisetätigkeiten. Die vierte große Reise in königlichem Auftrag führte ihn 1851-1852 über Italien nach Ägypten, Syrien und Palästina, in die Türkei und nach Griechenland. Die Szene eines Viehtreibenden mit den berühmten Pyramiden von Gizeh im rechten Hintergrund wird wohl nach vor Ort entstandenen Skizzen erstellt worden sein. Ein fulminanter Sonnenuntergang über dem Nil zeichnet die Landschaft in Rot und Orange. Dramatisch senkt sich der leuchtende Feuerball unterhalb einer dunklen Wolke über dem Wasser hinab und taucht das antike Weltwunder in gleißendes Licht.
Provenienz: Privatsammlung Sachsen.
um 1880. Palmenhain in einer Oase.
Öl auf Holz. 22 x 32 cm.
Der Maler dieser Oasendarstellung legt ein besonderes Augenmerk auf die technisch raffinierten, auf der Arabischen Halbinsel Faladsch genannten Bewässerungssysteme, die in den Wüstenstaaten eine ganzjährige Wasserversorgung durch ein ausgeklügeltes Netz von Kanälen ermöglichen.
Dagnan-Bouveret, Pascal Adolph
Studie eines arabischen Dolches in verzierter Lederscheide
Los 6357
Nachverkaufspreis
1.000€ (US$ 1,149)
Studie eines arabischen Dolches in verzierter Lederscheide.
Aquarell über Spuren von schwarzer Kreide auf Velin. 26 x 16 cm. Rechts unterhalb der Darstellung signiert "Pas. Dagnan-B." sowie oben rechts und links eigenh. datiert und bez. "3 mars 1874 à bord du Mendoza / Dakar".
Die Studie des Dolches entstand nach Auskunft des Experten Brice Leibundgut (Paris) auf der Rückreise einer Expedition nach Brasilien, die Dagnan-Bouveret 1874 gemeinsam mit seinem Bruder unternommen hatte. Das Schiff, die Mendoza, legte auf der Rückfahrt nach Europa einen Stop in Dakar ein.
Rubens, Peter Paul - nach
Vier Kopfstudien eines schwarzen Mannes
Los 6360
Nachverkaufspreis
12.000€ (US$ 13,793)
nach. Vier Kopfstudien eines schwarzen Mannes.
Öl auf Leinwand, doubliert. 50,2 x 65,5 cm. Wohl 19. Jh.
Als Rubens' Kopfstudien eines unbekannten, schwarzen Mannes in vier verschiedenen Haltungen im Jahr 1883 auf einer Pariser Versteigerung auftauchte, nachdem das Werk vorher lange Zeit in französischen Privatsammlungen verborgen war, sorgte die Tafel wegen ihres ungewöhnlichen, lebensnahen Motivs für allgemeine Bewunderung (heute Musée Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Inv. 3176; Corpus Rubenianum, XX (2), Nr. 53). Vorliegende Leinwand gibt die bemerkenswerte Ölskizze wahrscheinlich aus direkter Anschauung wieder - die recht genaue Übernahme der Farbwerte spricht dafür. Derselbe Mann stand auch für Jacob Jordaens Modell und lebte vermutlich als Diener in Antwerpen. Das legt das angedeutete Gewand nahe, das dem von schwarzen Dienern auf Gemälden aus dieser Zeit entspricht.
In Rubens Werkstattpraxis spielten solche lebhaften Tronies, also Kopfstudien verschiedener Gemütszustände bzw. Gesichtsausdrücke, die nach der Natur oder kraft eigener Erfindung entstanden, eine zentrale Rolle als Figurenfundus für Kompositionen. Zwei der hier dargestellten Köpfe nutzte Rubens erstmals 1515-1516 in Gemälden, später noch einmal unter anderem für das Konterfei von König Balthasar in 1518 bzw. 1520 entstandenen Anbetungsszenen (Corpus Rubenianum, V (1), Nr. 37 und 39).
Ovale Gesichtsmaske Tankagle mit schmalen Augenschlitzen.
Holz mit alter, braunschwarzer, glänzender Patina. Mit kleinen Metallhaken oben an der Stirn zur Befestigung der Haube. Höhe 27 cm. Westliche Dan, Elfenbeinküste. Circa 1920-40.
Die ästhetisch sehr ansprechende Maske gehört zur Gruppe der Tankagle Tanzmasken, welche stilisierte Frauen- und Männerantlitze darstellen. Der Begriff Tankagle steht für Tanzmaskerade. Die verkleideten Protagonisten werden von Musikern und einem Chor begleitet oder treten alleine auf. Sie sind Teil einer Zeremonie, bei der die Akteure die Dorfgemeinschaft mit unterschiedlichen Tänzen, satirischen Einlagen und Gesang unterhalten (vgl. Eberhard Fischer, Hans Himmelheber: The Arts of the Dan in West-Africa, Museum Rietberg Zürich, 1984, S. 23 ff, Abb. 22 ff.).
Provenienz: Ehemals Galerie Hélène und Philippe Leloup, Paris.
Dort erworben um 2002.
Seitdem Privatsammlung Berlin.
Gesichtsmaske kpeliye'e.
Holz mit braunschwarzer Patina. Höhe 33,5 cm. Senufo, Elfenbeinküste.
Sehr qualitätvolle Maske des poro-Männerbundes, einer nach Altersklassen strukturierten Verbindung, die traditionelles Wissen vermittelte und religiöse Funktionen ausübte. Die anthropomorphen kpeliye'e Masken hatten die rituelle Funktion, während der Bestattungszeremonien den Geist des Verstorbenen aus dessen Haus zu vertreiben (vgl. Kat. Das zweite Gesicht. Masken aus der Sammlung Barbier-Mueller, Genf, München-New York 1997, Nr. 15).
Provenienz: Galerie Alain Lecomte, Paris.
Dort erworben ca. 2004.
Seither Privatsammlung Berlin.
Geyer, Alexius
Abendstimmung an einer von Palmen gesäumten Küste Nordafrikas
Los 6370
Nachverkaufspreis
10.000€ (US$ 11,494)
Abendstimmung an einer von Palmen gesäumten Küste Nordafrikas mit Rastenden.
Öl auf Leinwand. 116 x 137 cm. Unten rechts signiert.
Zum Ausklang des Tages hat sich eine Gruppe arabischer Frauen und Männer am Fuß einer Dattelpalme direkt am türkisfarbenen Meer versammelt. Die Farbe des azurblauen Himmels geht am Horizont bereits in ein sanftes Rosa über, ein Schwarm Vögel zieht am Firmament heimwärts. Geyer gelingt es mit koloristisch meisterhaft nuancierter Farbsetzung die Himmelsatmosphäre des Südens am Übergang zwischen Tag und einbrechender Dunkelheit im Bild einzufangen. Der an den Akademien in Berlin, München und Dresden ausgebildete Künstler war mehrere Jahre in Rom ansässig, bevor er sich im Auftrag des griechischen Königs 1847 nach Konstantinopel und in den Orient begab. Im Jahr 1850 unternahm Geyer zusammen mit dem Berner Architekten Theodor Zeerleder eine Reise auf dem Nil. Aus diesen Reiseerfahrungen schöpfte er Motive für seine gefragten Orientbilder, die ab 1856 regelmäßig in Berlin auf den großen Ausstellungen angeboten wurden.
Österreichisch
Anfang 20. Jh. Jerusalem vom Ölberg aus gesehen
Los 6372
Nachverkaufspreis
1.000€ (US$ 1,149)
Anfang 20. Jh. Jerusalem vom Ölberg aus gesehen.
Öl auf Malpappe. 24 x 30,8 cm. Unten links unleserlich signiert.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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