Baum, Paul
Ankernde Segelschiffe und Fischerboote im Mittelmeer
Los 7010
Nachverkaufspreis
900€ (US$ 1,034)
Ankernde Segelschiffe und Fischerboote im Mittelmeer
Aquarell, Bleistift und Kohlestift auf Velin. 1900.
41 x 55 cm.
Unten rechts mit Kohlestift monogrammiert "P.B." und datiert.
Nicht bei Hitzeroth.
Mit den vibrierenden Linien, einer meisterlich sorgsamen Ausführung und dem zarten Gesamtton lässt die Zeichnung eine überzeugende Impression der südlichen Landschaft, des ruhigen Meeres mit seinen flirrenden Wellenbewegungen und der Helligkeit des Lichts entstehen. Ebenso sorgfältig wie den feinen Wellenstrukturen widmet sich der Künstler den Schiffsmasten und filigranen Wanten und setzt die tiefe Dunkelheit der Schiffskörper in prägnanten Kontrast zur Helligkeit der Wasserfläche. Während Baums Aufenthalt in Italien entstanden bei Capri um 1900 einige vergleichbare Blätter in den Buchten von Taormina und von Baiae bei Capri (vgl. Hitzeroth F 155-157).
Provenienz: Fritz Flender (mit dessen wohl eigenhändiger Annotation verso auf dem Karton, dort bezeichnet
Ehemals Walther Flender, Stolberg/Harz (mit dessen Klebeetikett auf beiliegendem Karton)
Privatbesitz Norddeutschland
"Tief verschneit" (Hummelsbüttel)
Öl auf Leinwand.
61 x 73 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "E Eitner", verso nochmals signiert sowie auf dem Keilrahmen betitelt und zweifach bezeichnet "39784".
Der Blick des Künstlers aus seinem Atelierfenster in Hummelsbüttel fällt in einen tief verschneiten Garten, dessen winterliche Stille er mit lockerem Duktus und naturnaher Farbgebung erfasst. Stimmungsvolle Landschaft des Hamburger Impressionisten, ausgebildet ab 1886 an der Akademie in Karlsruhe bei Gustav Schönleber. Eitner gehörte zu den von Alfred Lichtwark geförderten Künstlern, mit denen der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle nach dem Vorbild der französischen Impressionisten auch in Hamburg eine Freilichtmalerei-Schule schaffen wollte.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen
Schneespaziergang
Gouache auf Karton.
Ca. 17 x 26,5 cm (Rahmenausschnitt).
Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert "H. Mühlig".
Detailtreu und zugleich impressionistisch locker im Duktus erfasst Mühlig die im Schnee hell schimmernde Landschaft. Mit spannungsreichen Diagonalen komponiert der Sohn des Dresdner Malers Meno Mühlig die weit offene Szenerie und zeichnet die kleine Spazier- und Jagdgesellschaft im Mittelgrund der kleinformatigen Winterlandschaft in lebendiger Bewegtheit. Ausgebildet an der Dresdner Kunstakademie, stand er stilistisch zunächst unter dem Einfluss der Schule Ludwig Richters, entwickelte jedoch bald seinen eigenen, dem Impressionismus nahestehenden Stil.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Kahn am Lutziensee
Öl auf Hartfaser. 1901.
47 x 66 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "Otto Altenkirch." und datiert.
Petrasch 1901-94-FB.
Mit pastosem Farbauftrag modelliert Altenkirch die Bildgegenstände im Vordergrund: Steine und Wasser, Boot und Uferböschung treten in kräftiger Plastizität hervor, während die Bildfläche im Mittel- und Hintergrund in herbstlichem Kolorit von Braunrot und Grünblau harmonisch und locker fein gestaltet ist. Seine Ausbildung erfuhr Altenkirch an der Berliner Hochschule für Bildende Künste und an der Kunstakademie in Dresden, u.a. bei Paul Vorgang und Eugen Bracht; am Ende dieser Zeit entstand das vorliegende Gemälde. "Im unscheinbaren Motiv den Zauber und die Kraft der Natur zu veranschaulichen, war ihm künstlerisches Credo." (Maria Petrasch, Otto Altenkirch, Ausst.-Kat. Schloss Nossen 2005, S. 19f.).
Provenienz: Privatbesitz Hannover
Koch-Stetter, Dora
Norddeutsche Landschaft mit Schafen und Feldarbeiterin
Los 7022
Nachverkaufspreis
2.500€ (US$ 2,874)
Norddeutsche Landschaft mit Schafen und Feldarbeiterin
Öl auf Leinwand.
52 x 78 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert "D STETTER".
Dicht drängen sich die Schafe im Bildvordergrund und sind mit ebenso lockerem Duktus erfasst wie die arbeitende Frau, die weiter hinten auf der Weide kniet. Eine harmonische, abgetönte Farbigkeit zeichnet das stimmungsvolle Gemälde aus der frühen Schaffenszeit der Künstlerin aus, das wohl vor ihrer Heirat mit dem Zeichner Fritz Koch-Gotha 1917 entstand. In den Jahren 1903/04 war Koch-Stetter Schülerin im Berliner Atelier von Lovis Corinth. Ab 1910 arbeitete sie mit dem rumänischen impressionistischen Maler Arthur Segal zusammen und war von 1911 bis 1943 Mitglied im Verein Berliner Künstlerinnen. Nach zahlreichen Studienreisen kam sie 1911 zum ersten Mal nach Ahrenshoop und blieb der norddeutschen Landschaft fortan eng verbunden.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Zwei Akte
Farblithographie, mit dem Schabeisen überarbeitet, auf Bütten. 1907.
19 x 21,1 cm (30,8 x 39,9 cm).
Signiert "Frz. Marc".
Lankheit 810, Hoberg/Jansen 2.
Die erste graphische Arbeit Franz Marcs, von der Drucke erhalten sind. Den Aufzeichnungen des Künstlers zufolge entstanden diese zwischen Oktober und Dezember des Jahres 1907 in München. "Franz Marc's Suche nach der 'Wesensform', wie Klaus Lankheit die Phase von 1907 bis Ende 1909 so treffend bezeichnet, setzt ein. Durch die neue Einsicht und Auffassung seines Auftrags als Künstler, die sich von jetzt an radikal gegen die traditionelle Vorstellung von Kunst richten, gehört Franz Marc zu denjenigen Künstlern, die zu Beginn unseres Jahrhunderts tiefgreifende Veränderungen im bildnerischen Denken und Schaffen hervorgerufen haben." (Magdalena Möller, in: Franz Marc. Zeichnungen und Aquarelle, Ausst.-Kat. Stuttgart 1989, S. 22). Ausgezeichneter, sehr schön nuancierter Druck von zwei Steinen mit breitem Rand. Extrem selten, eines von nur sechs bekannten Exemplaren.
Provenienz: Ehemals M. Kirdorf (1878-1923), Aachen (verso mit dem Sammlerstempel, Lugt 4656)
Altfrauenhaus in Amsterdam
Öl auf Leinwand. Wohl 1908.
81 x 65 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "E. Oppler.".
Nicht bei Bruns.
Reizvoll spielt das Sonnenlicht im Grün der Bäume und lässt helle Flecken auf dem verschatteten Weg, den Figuren und den Fensterscheiben tanzen. Vor dem Portal und dem hohen Mezzaninfenster des ehrwürdigen Gebäudes flanieren einzeln und paarweise die alten Frauen mit Schürzen und weißen Hauben unter dem Dach des Laubwerks der Allee. Ihre Physiognomien erscheinen kaum individualisiert, so dass, auch durch die einheitlichen Gewänder, ihre Gemeinschaft im Einklang mit Architektur, Natur und Religion betont wird. Reliefhaft modelliert Oppler mit der pastosen Farbe die Strukturen von Laubwerk und Ästen.
Oppler ließ sich 1901 im niederländischen Sluis nieder und schuf in den kommenden Jahren zahlreiche Genrebilder. Sicherlich regten Oppler hier Max Liebermanns zahlreiche Arbeiten zu ähnlichen Motiven an, der sich vor allem in den 1880er Jahren in seinen Gemälden den holländischen Stiftshöfen und Waisenhäusern widmete. Im Jahr 1908 entstanden zwei weitere, motivisch ganz ähnliche Gemälde Opplers zu demselben Motiv, vgl. Bruns G-068/069: "Wie diese Vorbilder, so zeigt auch Opplers Bild die Einheit von menschlicher Gemeinschaft, Natur und Architektur; stärker als bei Liebermann ist hier jedoch die Architektur von der Natur vereinnahmt. (...)." (Jochen Bruns, Ernst Oppler, Köln 1993, zu G-068).
Provenienz: Saint Paul Auction, La Colle-sur-Loup, 08.12.2024, Lot 293 (dort betitelt "Rue animée")
Privatbesitz Niedersachsen
Herr und Frau Erich Göritz
Kreide in Schwarz auf leichtem Karton. 1922.
51,5 x 36,3 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "Lovis Corinth", datiert und gewidmet "für Erich Göritz".
Wach und interessiert blickt das Sammlerpaar zum Künstler. Corinth zeichnete und malte um 1922 mehrere Portraits von und für Erich Göritz (vgl. Berend-Corinth/Hernad 841, 858). Der jüdische Fabrikant (1889-1955), Mitinhaber des Familienunternehmens Strumpfwarenfabrik G. & S. Goeritz, besaß mehrere Werke Corinths und war mit dem Künstler eng befreundet. Diese Zuneigung spiegelt sich in der intimen Zeichnung mit wunderbarer Stofflichkeit der Lithokreide: Sie rückt nahe an das generöse Sammlerpaar heran und zeigt beide annähernd lebensgroß, einträchtig dicht beieinander und damit noch deutlich freundschaftlicher aufgefasst als in dem vergleichbaren, im selben Jahr in der Klopstockstraße in Berlin entstandenen Ölgemälde "Portrait Erich Göritz und seine Frau" (Berend-Corinth/Hernad 858).
Provenienz: Privatsammlung Chicago (Geschenk des Künstlers)
Privatbesitz (in den 1990er Jahren erworben)
Sotheby's, London, Auktion 08.02.2006, Lot 201
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: The Art Institute of Chicago, Chicago Collects, 1988
Corinth, Lovis
Bühnenskizzen für Eugene O'Neills Kaiser Jones
Los 7030
Nachverkaufspreis
2.500€ (US$ 2,874)
Bühnenentwürfe für Eugene O'Neills Kaiser Jones
5 Gouachen über Bleistift auf Velin, gemeinsam auf Untersatzkarton montiert. 1923.
Eine 5,8 x 6,8, sowie vier je ca. 6 x 8,5 cm (der Untersatz 26,5 x 23,3 cm).
Auf dem Untersatzkarton mit Pinsel in Rotbraun signiert "Lovis Corinth" und datiert sowie unten von fremder Hand mit Feder in Schwarz bezeichnet "Bühnenskizzen zu O'Neill, Kaiser Jones" und oben erneut datiert und mit Ortsbezeichnung "Nov. 1923 / Berlin".
Die Bühnenentwürfe belegen die frühe Beschäftigung Corinths mit der Inszenierung der deutschen Uraufführung von Eugene O'Neills Theaterstück Emperor Jones im Lustspielhaus Berlin mit Oscar Homolka in der Hauptrolle. Möglicherweise hatte Berthold Viertel, der Regisseur des Stückes, zunächst Lovis Corinth mit der Gestaltung des Bühnenbilds des Stückes beauftragt, sich aber später für Friedrich Kiesler als Bühnenbildner entschieden, weil ihm Corinths Entwürfe zu konventionell erschienen. Kiesler schuf schließlich ein völlig neuartiges und für die Geschichte der Bühnengestaltung bahnbrechendes konstruktivistisches Konzept. Die vorliegenden Skizzen präsentieren dagegen Corinths frühes expressiv-malerisches Konzept des Bühnenbildes. Corinth, der schon mehrfach für das Theater Entwürfe gestaltet hatte, stellt hier verschiedene waldige Umgebungen, sowie den Thronsaal als zentrale Handlungsorte des Stücks dar. Die Provenienz des Blattes lässt vermuten, dass der in der Kulturszene stark vernetzte Kunstsammler und Arzt Dr. Martin Flaum, der von 1923-1933 unter anderem an der Charité und dem Jüdischen Krankenhaus in Berlin beschäftigt war, die Zeichnungen möglicherweise entweder direkt von Corinth oder aus dessen Nachlaß erwarb und in einem Album sammelte. Flaum konnte aufgrund seiner jüdischen Herkunft ab 1933 nicht mehr offiziell praktizieren, behandelte privat aber viele seiner Patienten weiter. 1936 wurde er deshalb verhaftet und musste Berlin schließlich 1937 verlassen und mit der Familie in die Niederlande emigrieren. Während eine seiner Töchter in Auschwitz ermordet wurde, konnte der Rest der Familie 1941 nach Palästina fliehen und Flaum kehrte später als britischer Truppenarzt im Krieg mehrere Jahre nach Deutschland zurück, während seine Familie in Haifa verblieb. Seine Tochter Ursula siedelte später zum Studium wieder in die Niederlande über, heiratete dort und blieb Zeit ihres Lebens in Amsterdam.
Provenienz: Sammlung Dr. Martin Flaum, Berlin/Haifa
Cornelis Jacob Sint und Ursula Chaja Sint, geb. Flaum, Amsterdam (durch Erbschaft)
Privatbesitz Niederlande
Selbstbildnis
Radierung und Kaltnadel auf Bütten. 1920.
24,6 x 18,7 cm (37,7 x 29,2 cm).
Signiert "Lovis Corinth". Auflage 120 Ex.
Schwarz 414.
Eines von 120 Exemplaren auf Bütten für die Luxusausgabe von Corinths Gesammelten Schriften, erschienen im Verlag Fritz Gurlitt, Berlin 1920. Prachtvoller Druck mit breitem Rand, an drei Seiten mit Schöpfrand.
Bildnis eines Mädchens (Susi Demoll)
Bleistift und farbige Kreiden auf Velin. 1931.
38,5 x 29 cm.
Seitlich rechts mit Bleistift signiert "Emil Orlik" und datiert, verso (von fremder Hand?) bezeichnet "Frl. Susi Demoll".
Der gesuchte Portraitist Orlik zeichnet hier wohl ein Portrait von Susi Demoll, die als Eiskunstläuferin ab Mitte der 1930er Jahre Bekanntheit erlangte. In der Ausarbeitung des Profilbildnisses, insbesondere in der sensiblen Wiedergabe des gerüschten Kleides und der schimmernden Zopffrisur, offenbart sich Orliks außerordentliche Begabung als feinfühliger Zeichner.
16 Figurenstudien
16 Bl. Verschiedene Techniken auf unterschiedlichen Papieren, zusammen in 1 Passepartout montiert.
Bis 20,8 x 14,5 cm.
11 Bl. recto bzw. verso mit Nachlaßstempeln (teils Fragmente, teils verblasst) "Heinrich Zille" bzw. "Nachlaß Prof. Heinrich Zille" (Rosenbach 1 und 4, Lugt 2676b).
Mädchen mit großem Hut, pummelige Kleinkinder, freche Straßengören, Flaneure - ein Panoptikum verschiedenster Berliner Gestalten versammelt sich auf Makulaturpapier, Zettelchen oder Fragmenten von Briefumschlägen. Manchmal ausschnitthaft und vielfach ohne weiteren Zusammenhang skizziert Zille die für ihn so typischen Figuren des Berliner Alltagslebens, mit seinem ganz eigenen, freundlichen Blick für das Wesentliche und mit sicherem Strich. Verso teils mit Fragmenten weiterer Zeichnungen des Künstlers.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Drei Gören
Kohlestift und Aquarell auf festem Japan. 1923.
14,5 x 21,3 cm.
Unten rechts mit Kohlestift signiert "H. Zille" und datiert, im Unterrand gewidmet und dort nochmals signiert.
Wippende Zöpfchen, leuchend bunte Kleider, drei Mädchen miteinander unterwegs: ein Bild unbeschwerter Freundschaft. Farbfrisch erhaltene Variante eines der besonders beliebten Sujets des großen Berliner Chronisten Heinrich Zille. Eine frühe, linear gezeichnete Variante des Motivs entstand bereits 1912 (vgl. Zille's Hausschatz, Hrsg. Hans Ostwald unter Mitarbeit von Hans Zille, Berlin 1937, S. 72). Die "Drei Gören", umarmt spazierende Berliner Mädchen, von hinten gesehen, zeichnete Zille mehrfach, mit nur geringen Abweichungen. Unser sorgfältig und in leuchtender Farbigkeit aquarelliertes Blatt entstand vermutlich als Geschenk.
Provenienz: Privatbesitz Dresden (seit 2002)
Kollwitz, Käthe
Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern
Los 7044
Nachverkaufspreis
2.000€ (US$ 2,299)
Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern
Lithographie auf festem Velin. 1930.
29,8 x 26 cm (43,4 x 34 cm).
Signiert "Käthe Kollwitz".
Knesebeck 250 c.
Exemplar der endgültigen Fassung, aus der Auflage von ca. 150 unnumerierten Drucken, erschienen als Jahresgabe des Deutschen Kunstvereins, Berlin 1930. Die "Schwatzenden Frauen" tragen genrehafte Züge, die sich häufiger im Spätwerk der Künstlerin finden. Mit Werken wie diesem knüpfte sie an ihre frühen Arbeiten aus der Münchner Studienzeit und den folgenden Jahren an, in denen Max Liebermann zu ihren großen Vorbildern zählte. Ganz prachtvoller, kräftiger und toniger Druck mit Rand.
Ruderboot am Anleger
Öl auf Holz.
23 x 30,3 cm.
Seitlich rechts mit Pinsel in Braun monogrammiert "R. St.", verso (von fremder Hand?) mit Kreide in Blau bezeichnet "A 193" und "11".
Nicht bei Zimmermann/Popova.
Ein warmer, brauner Grundton dominiert das stimmungsvolle Gemälde, aufgelockert von hellen Akzenten sowie Nuancen von Rot und Blau. Mit lockerem Duktus trägt Sterl die pastosen Farben auf, lässt dabei aber vielfach die hellbraune Grundierung durchscheinen. "Er hat in der Dresdner Galerie gelernt, daß Kunst von Können kommt und daß nicht der Intellekt, sondern der sinnliche Eindruck den Maler macht.“ (Max Liebermann über Robert Sterl, 1928, zit. nach robert-sterl-haus.de, Zugriff 02.02.2026).
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Rohlfs, Christian
Aufgereihte Herren im Frack empfangen eine junge Dame
Los 7046
Nachverkaufspreis
10.000€ (US$ 11,494)
Aufgereihte Herren im Frack empfangen eine junge Dame
Aquarell und Gouache auf Velin. 1908.
18,5 x 18 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz monogrammiert "CR" und datiert "8".
Eigenwillige, humorvoll aufgefasste Komposition aus Rohlfs' experimenteller Schaffensphase. Kräftige Pinselstriche in tiefem Schwarz schildern stilisiert die Figuren, ein Hauch von aquarelliertem Chromoxidgrün, einem der Haupttöne Rohlfs', liegt darunter und kontrastiert lebhaft mit den roten Akzenten in den Gesichtern. Die klaren, großen Gesten der vereinfachten Gestalten sprechen eine deutliche Sprache, wobei die Antlitze lediglich angedeutet bleiben. In der weiblichen Figur wird die elegante Linie zum Ausdrucksmittel einer fließenden Bewegung und ornamentaler Schwingung, die mit den vegetabilen Formen des Jugendstils zu spielen scheint. Das Flächengefüge der Zeichnung hingegen zeigt sich in seinem Kontrastreichtum von einer expressiven, fast holzschnittartigen Klarheit. Nicht zufällig entstanden ab demselben Jahr Rohlfs' allererste Holzschnitte.
Provenienz: Galerie Rieder, München (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Lempertz, Köln, Auktion 05.06.2004, Lot 971
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Alter Mann
Pinsel in Schwarz über Tempera auf festem, genarbtem Velin. 1918.
37,5 x 26,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "CR" und datiert.
Nicht bei Vogt.
Nahezu formatfüllend umreißt Rohlfs mit lockerem Pinselstrich die Konturen eines alten Mannes in langem Gewand. Man möchte an einen Mönch oder Propheten denken, eine biblisch-religiöse Figur zumindest, wie sie in Rohlfs Werk mit Beginn des Ersten Weltkrieges öfter vorkommen. Formvereinfacht steht der gebeugte Mann unter einem Torbogen, der als einziger Hinweis auf den Umraum gilt. Die Stirn in Falten, aber die Augen weit aufgerissen, wirkt die Figur wie abgeschnitten von der Außenwelt. Lebendigkeit bekommt die Arbeit durch das Flächengefüge unter dem Einsatz unterschiedlichster Techniken. Pinsellinien werden mit Tupfen, kurzen Strichen und gemusterten Abdrücken in der Art einer Frottage verknüpft. Der Farbton changiert zwischen dunklem Schwarz und durchscheinenden hellen Partien, wie ein Aufleuchten zwischen Schwermut und Hoffnung im letzten Kriegsjahr, und mit farbigen Akzenten in Blau und Rotbraun. Mit einer Echtheitsbestätigung des Christian Rohlfs Archivs, Osthaus Museum Hagen, vom 22.04.2024. Die Arbeit ist in dem Archiv unter der Nummer CRA 266/24 verzeichnet.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen
Pechstein, Hermann Max
Bildnißköpfe I (Porträt Dr. Freundlich)
Los 7052
Nachverkaufspreis
15.000€ (US$ 17,241)
"Bildnißköpfe I" (Porträt Dr. Freundlich)
Fettkreide in Schwarz und Aquarell auf festem Velin, mit eingeprägtem Papiersignet "TAUEN". 1918.
50 x 37,8 cm.
Unten rechts mit Zimmermannsbleistift monogrammiert "HMP" (ligiert) und datiert, verso mit Kreide in Schwarz betitelt und unleserlich bezeichnet.
Das Portrait seines engen Freundes, des berühmten Astrophysikers und versierten Cellisten Prof. Dr. Erwin Finlay Freundlich zeichnete Pechstein nach seiner Versetzung ein Jahr vor Kriegsende zurück nach Berlin, im Zusammenhang einer Reihe psychologisch aufgeladener Portraits, die sein feines Gespür für die Persönlichkeit, den Blick und die Miene des Dargestellten widerspiegeln und zu einem bedeutenden Teil seines Œuvres wurden. Expressiv, mit schnellem, sicherem Strich und von kräftig-bewegten Schraffuren umreißt er die Physiognomie und schildert seinen Freund konzentriert, mit einem forschenden, eindringlichen Blick. Pechstein erreicht mit harmonisch-dezentem, mitunter pointiertem Kolorit eine intensive, malerische Wirkung, die ihresgleichen sucht. Weder Beruf und sozialer Status des Dargestellten, noch seine Profession als Musiker spielen für Pechstein hier eine Rolle, sondern sein Interesse gilt allein der Psychologie. Das Antlitz Freundlichs (1885-1964) diente Pechstein als Vorlage für zahlreiche Portraits sowohl in Öl, wie auch als Zeichnung und Druckgraphik. Unsere Arbeit entstand noch vor dem ersten Gemälde "Cellospieler: Bildnis Dr. Freundlich" (Soika 1919/116) von 1919 und steht dem Holzschnitt "Bildnis Dr. Freundlich" (Krüger H 206) desselben Jahres sehr nahe. Freundlich war Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums am Albert-Einstein-Institut in Potsdam. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953) entwickelte er zwischen 1919 und 1924 ein Sonnenobservatorium für seinen Freund Albert Einstein, den sog. Einsteinturm, der heute als Hauptwerk expressionistischer Architektur gilt. Während des Zweiten Weltkriegs emigrierte Freundlich nach Schottland, wo er seine Arbeit an der Sternwarte der Universität St. Andrews fortsetzte. Verso mit einer verworfenen Tuschpinselzeichnung desselben Motivs. Die Arbeit ist der Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft, Hamburg, bekannt. Wir danken Julia Pechstein, Hamburg, für wertvolle Hinweise vom 13.03.2024.
Provenienz: Nachlass Galerie Otto Stangl, München (rückseitig mit dem blauen Galeriestempel)
Literatur: Carla Schulz-Hoffmann (Hrsg.), Sammlung Otto Stangl. Von Klee bis Poliakoff, Ostfildern-Ruit 1993, S. 231, Nr. 157 (Farbabb.)
Christian Sinding
Kreidelithographie auf Velin. 1912.
27,5 x 22 cm (55,5 x 42,3 cm).
Signiert "Edv Munch".
Woll 396, Schiefler 359.
Beinahe maskenhaft schwebt der Kopf mit frontal ausgerichtetem Antlitz in der Leere des Bildraums. Ikonisches Portrait des norwegischen Komponisten, erschienen in einer kleinen Auflage von ca. 20 Exemplaren auf Velin; dem Munch Museum, Oslo, sind insgesamt 45 Exemplare bekannt. Munchs Landsmann Sinding gehört neben Edvard Grieg zu den großen norwegischen Romantikern; bekannt sind heute vor allem noch seine Lieder sowie seine zahlreichen Klaviersonaten. Gedruckt von Anton Peder Nielsen, Kristiania (heute Oslo). Woll kennt einen Druck, der signiert, datiert "1913" und bezeichnet ist "Kleine Vorzugsauflage". Ganz prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit sehr breitem Rand.
Großbauern
Radierung und Aquatinta auf festem Van Gelder Zonen-Velinkarton. 1918.
22,5 x 30,4 cm (56,6 x 45,2 cm).
Signiert "Emil Nolde.", im Unterrand von Ada Nolde betitelt und bezeichnet "II.2.".
Schiefler/Mosel R 193 II (von IV).
Eines von lediglich acht Exemplaren des zweiten Zustandes mit der differenzierten, wolkig-hellen Tonätzung, vor der dunkel-fleckigen und der gleichmäßig dunklen Tonätzung. Daneben führen Schiefler/Mosel nur fünf Exemplare im Zustand I und weitere 22 Abzüge in den letzten beiden Zuständen III und IV auf. Noldes Radierung schildert in ausdrucksvoller Direktheit die Züge der wohlhabenden Bauern der Marschlandschaft in seiner nordfriesischen Heimat, hier in einem fein differenzierten Druck mit wunderbar nuancierten Grautönen und mit sehr breitem Rand, rechts und unten mit dem Schöpfrand.
"Hockende"
Holzschnitt auf dickem Hadern-Bütten. 1913/14.
41,7 x 31 cm (70,3 x 55,8 cm).
Signiert "Erich Heckel", datiert und betitelt.
Ebner/Gabelmann 578 H A (von B), Dube 263 I (von II B).
In das eigenwillige Trapezformat des Druckstocks setzt Heckel in monumentaler Nahsicht und komplexer Räumlichkeit den weiblichen Halbakt. Kantige Linien, breite Konturen und kräftige Helldunkelkontraste abstrahieren Physiognomie und Körper der weiblichen Figur und gestalten sie zugleich fast skulptural durch. Die Grundform des nach rechts ausgerichteten Trapezes findet sich im Jahr 1913 mehrfach in Erich Heckels Holzschnitten wieder; sie unterstreicht die spannungsreich konstruierte Tiefe des Bildraumes. In dem Blatt, nach der Auflösung der Künstlergemeinschaft Brücke entstanden, manifestiert die Darstellung Heckels Auseinandersetzung mit der außereuropäischen Kunst aus Afrika und Ozeanien und seine Suche nach anti-artifiziellen, archaisch-ursprünglichen Ausdrucksmitteln. Wie sein Künstlerkollege Ernst Ludwig Kirchner fertigte er auch eigene Holzskulpturen nach afrikanischem Vorbild, so zum Beispiel die Hockende Figur (heute im Folkwang Museum, Essen). Zugleich ist der Holzschnitt "Hockende" ein Bild der inneren Versenkung, dessen Tiefe und Komplexität der Komposition einhergeht mit einer Erweiterung der inneren Dimensionen des Menschen in Heckels Druckgraphik. Frühdruck mit den für einen Hand-Reiberdruck typischen Abweichungen im Druckbild, hier mit einem ausdrucksvollen Streifen unterhalb der Brust. Es entstanden 50 Drucke für Heckel selbst, zudem die Auflage von 50 Exemplaren, gedruckt für die Mappe "Elf Holzschnitte" 1912-1919, Erich Heckel", erschienen bei I.B. Neumann, Berlin 1921. Prachtvoller, wunderbar kräftiger und prägnanter Druck mit reicher Binnenzeichnung und dem vollen Rand, unten und oben mit dem Schöpfrand.
Liegendes Mädchen (Müde)
Lithographie auf Bütten. 1913.
26,8 x 21,2 cm (67,7 x 51,2 cm).
Signiert "Erich Heckel" und datiert.
Ebner/Gabelmann 603 L a II, Dube L 197.
Eines der wenigen Exemplare des endgültigen Zustandes mit der Signatur Heckels oben rechts im Stein. Das Blatt war vorgesehen für die geplante Chronik der Brücke 1913, die aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Künstlergruppe nicht erschien. Erst kurz zuvor, im Jahr 1911, war Erich Heckel, ebenso wie die anderen "Brücke"-Mitglieder, nach Berlin gezogen, reagierte jedoch melancholisch auf die Eindrücke der Großstadt. Nach gemeinsamen Ausstellungen, u. a. beim Ersten Deutschen Herbstsalon 1913 sowie gemeinschaftlichen sommerlichen Ostsee-Aufenthalten, löste sich die Künstlergemeinschaft "Brücke" im Jahr 1913 auf. In Heckels Motivkreis erscheinen in diesem Jahr häufiger melancholische, sinnende, nachdenkliche oder im Bett liegende Figuren. Die vorliegende Komposition ist in ihrer Kompaktheit und Dichte des gestaffelten Bildraumes von besonderem Reiz. Ganz prachtvoller, tiefdunkler, kontrastreicher und wunderbar kreidiger Druck mit äußerst breitem Schöpfrand. Sehr selten, es sind insgesamt nur elf Exemplare bekannt.
Provenienz: Ehemals Sammlung H. Gerlinger, Würzburg (mit dessen Stempel verso, Lugt 6032)
Reckakt
Kaltnadel auf hellgrauem Velinkarton. 1919.
22 x 24 cm (33,8 x 41,8 cm).
Signiert "Erich Heckel" und datiert sowie unten links von Siddi Heckel betitelt. Auflage 30 Ex.
Ebner/Gabelmann 756 R, Dube R 140.
Die Artisten von Zirkus und Varieté, ihre Akrobatik und die Kostüme, das Publikum und die Atmosphäre sind bevorzugte Themen im Frühwerk aller Brücke-Künstler. Heckel ist wohl der Einzige, der im Laufe seines Lebens immer wieder darauf zurückkommt. In seinem "Reckakt" erfasst er im Zentrum seiner Darstellung den Artisten im kurzen, heiklen Moment des Wechsels zwischen fester Stange und fliegendem Trapez. Er hält die Trapezstange schon in den Händen und ist dabei, sein Gewicht im Schwung nach vorne zu verlagern. Die Reckstangen und ihre Halteseile legen zusammen mit den locker angedeuteten Streben des Zirkuszeltes ein Geflecht von spannungsreichen Diagonalen über die gesamte Darstellung. Prachtvoller Druck mit herrlich nuanciertem Plattenschmutz, deutlich zeichnender Plattenkante und mit breitem Rand.
Kirchner, Ernst Ludwig
Tanz in der Alp - Bauerntanz mit Handorgler (im Haus "In den Lärchen")
Los 7065
Nachverkaufspreis
30.000€ (US$ 34,483)
Tanz in der Alp - Bauerntanz mit Handorgler (im Haus "In den Lärchen")
Lithographie auf gelbem Papier. 1920.
59,5 x 50,5 cm (68,5 x 54,3 cm).
Rückseitig mit dem Basler Nachlaßstempel "L 415 IV" und mit Kreide in Blau betitelt.
Gercken 1134, Dube L 396 (I).
Keine mondäne Berliner Tanzbar, sondern einen ländlichen Bauerntanz auf Holzdielen zeigt uns Kirchner. Es ist aber eine den Großstadtszenen ganz ebenbürtige Lebensenergie, die die Szene erfüllt. Kirchners besonderes Interesse am Tanz nahm auch nach seinem Umzug in die Schweiz nicht im geringsten ab. Die dichtgedrängte Szene spielt, ebenso wie auch seine darauffolgende Lithographie "Alptanz mit zwei Handorglern" (Gercken 1135), wohl in dem Haus "In den Lärchen", das der Künstler seit Oktober 1918 in Davos - Frauenkirch gemietet hatte. Am 12. Januar 1920 schreibt Kirchner an Helene Spengler, die Frau seines behandelnden Lungenarztes: "In den letzten Tagen haben wir durch das Grammophon viel Besuch gehabt. Es wurde getanzt. Diese Naturkinder sind berauscht von der Musik, ich werde interessante Sachen zeichnen können." (Ernst Ludwig Kirchner, Der gesamte Briefwechsel, Bd. I, Briefe von 1901-1923, hrsg. von Hans Delfs, Zürich 2010, S. 431).
Entgegen den Angaben bei Dube gibt es nach neuerer Erkenntnis nur einen einzigen Druckzustand mit verschiedenen helleren und dunkleren Varianten. Diese gestaltete Kirchner mit Hilfe der von ihm selbst 1907 in vielen Experimenten erfundenen Technik der Terpentinätzung, alle in leicht unterschiedlichen Bearbeitungsstufen, und zog die Blätter selber einzeln vom Stein ab. Jedes Exemplar dieser minimalen Auflage behandelte er demnach wie ein Unikat.
Das vorliegende Exemplar entstand auf Kirchners bevorzugtem zitronengelben Papier. Es zeigt sich mit seinen zum Teil hauchzarten, halbtransparenten Grauflächen und der reichen Skala an Schwarztönen nahe dem von Dube angenommenen ersten Zustand, in dem der Berg und die Türöffnung hinter dem Kopf des Musikers hell sind. Prachtvoller, kräftiger Druck mit herrlich differenzierter Tonalität, der gelbe Papierton einheitlich frisch. Sehr selten, Gercken führt lediglich sieben bekannte Abzüge auf.
"Der Hunger"
Lithographie auf Similijapan. 1919.
63 x 49,4 cm (71 x 55,2 cm).
Signiert "Beckmann" und betitelt. Auflage 75 num. Ex.
Hofmaier 143 B.
Blatt 5 der Folge "Die Hölle / Großes Spektakel / in 10 Blättern", erschienen 1919 bei I.B. Neumann, Berlin. Not, Kargheit und Armut zeigen sich als ein in der Kälte sich sammelndes Schweigen unter fahl verdämmerndem Licht. Dargestellt ist das Bild einer Familie am spärlich gedeckten Tisch, der Sohn glotzt mit leeren Augen, Mutter und Vater haben den Blick gesenkt, eine Hausangestellte hat ihre Hände zum Gebet gefaltet. Es ist die wahrscheinlich bewegendste Darstellung von Not und Existenzangst der ambitionierten graphischen Folge „Die Hölle“, in der Max Beckmann das Kaleidoskop eines gesellschaftlichen Untergangs entfaltete. Die Szenen von Betroffenheit, Morden, Armut und Not wechseln zwischen Straßen und Räumen der Großstadt, meist zur Nachtzeit. Scharfkantig ist alles angeschnitten, trifft spitz aufeinander, jeden Moment bereit zur Explosion. Bedrängende Enge lädt die Spannungen auf. Beckmanns Protest war kein politischer, sondern entsprang der Fähigkeit mitzuleiden. Brillanter, großformatiger Druck mit Rand.
Nackttanz
Lithographie auf Velin. 1922.
47,2 x 37 cm (62,8 x 49 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 100 num. Ex.
Hofmaier 216 B.
Erschienen als Blatt 4 der "Berliner Reise" 1922, einer Folge von zehn Lithographien, verlegt bei I. B. Neumann, Berlin, Druck C. Naumann, Berlin. In "Nackttanz" zeichnet Beckmann die Figuren der expressiv bewegten Nackttänzerinnen auf der Bühne in derselben skurril-ausdrucksvollen, verdrehten Beinhaltung wie bei der zentralen Figur im direkt darauf folgenden Blatt 5 der Mappe "Berliner Reise", "Der Schlittschuhläufer" (Hofmaier 217). Innerhalb des Zyklus sind diese beiden Lithographien von Beckmann als zusammengehöriges Paar gesetzt, bei dem er mit den Kontrasten männlich/weiblich und bekleidet/nackt spielt. Prachtvoller, kräftiger Druck mit sehr breitem Rand.
Max Reinhardt (Kopf)
Lithographie auf Japan. 1919.
38,6 x 30,3 cm (60 x 42 cm).
Signiert "OKokoschka" sowie (von fremder Hand?) betitelt, bezeichnet "I. Probe" und "Litho.".
Wingler-Welz 135.
Probedruck, bereits mit dem Monogramm unten rechts, doch im Papierformat größer als bei Wingler-Welz notiert. Vor der Auflage von 125 numerierten Exemplaren, erschienen bei Paul Cassirer, Berlin, Druck Pan-Presse, Berlin. Ganz prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit dem wohl vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
"Wasserfall I"
Öl auf Karton. 1913.
39,5 x 29,7 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "W DEXEL" und datiert, verso mit Bleistift nochmals signiert, datiert und betitelt.
Wöbkemeier 24.
Kristalline Strukturen beherrschen die schroffe Landschaftsformation, changieren zwischen Raum und Fläche und lassen den flächenhaft stilisierten, von vertikalen Linien strukturierten Wasserfall wie eine kulissenartige, schimmernd-erstarrte Abstraktion erscheinen. Dexel spielt mit einer Palette von Blau- und Gelbtönen, deren pastose Massen er in streng vertikaler und horizontaler Richtung aufträgt. So verwandelt er das Naturbild in ein künstliches " (...) so als ob hinter ihm bzw. vor ihm eine andere Geschichte spielt und es als Zeichen oder Statthalter für ein anderes Thema funktioniert." (Wöbkemeier S. 28). In einer mystischen Klarheit strahlt die expressive Komposition, charakteristisch für Dexels frühe Schaffensphase, in der er sich mit Cézanne, dem Kubismus und den Expressionisten auseinandersetzte, bevor er sich dem Konstruktivismus zuwandte.
Provenienz: Beurret & Bailly Auktionen / Galerie Widmer, Basel, Auktion 23.09.2020, Lot 39
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Walter Dexel, Kestner-Gesellschaft, Hannover 1974, Kat.-Nr. 9 (mit deren Klebeetikett verso)
Literatur: Ernst-Gerhard Güse, Bemerkung zum Werk Walter Dexels, in: Walter Dexel. Bilder, Aquarelle, Collagen, Leuchtreklame, Typografie, Westfälisches Landesmuseum, Münster/Ulmer Museum, 1979, S. 9 (Abb. S. 10, dort nur als Foto dokumentiert)
Haffenrichter, Hans
Cherubinischer Wandersmann
Los 7088
Nachverkaufspreis
3.200€ (US$ 3,678)
Cherubinischer Wandersmann
16 Zeichnungen. Kreide in Schwarz, teils mit Kreide in Weiß oder über Farbstift in Blau, auf Velin bzw. unterschiedlichen Papieren. 1924.
Bis 37,8 x 25 cm (Blattgröße).
10 Bl. mit Bleistift signiert "Hans Haffenrichter" und in der Darstellung mit Kreide in Schwarz monogrammiert "h", 3 Bl. monogrammiert und 1 Bl. signiert, teils betitelt oder mit Angaben zum Buch bezeichnet, unten rechts teils unterschiedlich numeriert.
Allesamt graphische Interpretationen zum Buch "Cherubinischer Wandersmann" von Angelus Silesius (d.i. Johannes Scheffler), erschienen im Falken-Verlag Dresden/Leipzig 1924, mit einem Nachwort vom Verleger Dr. Walter Ehrenstein. Drei Zeichnungen weichen von den Darstellungen im Buch etwas ab und scheinen Versionen der später verwendeten Vorlagen zu sein: Abgeschiedenheit, Erlösung und Passion. Die restlichen Zeichnungen sind jeweils identisch mit den Abbildungen im Buch. Da auch einige Kapitel im Buch ohne Illustration sind, gab es offensichtlich über die 16 Zeichnungen hinaus auch noch weitere Interpretationsentwürfe. Das Gedichtwerk von 1657 mit dem Untertitel „Geistreiche Sinn- und Schlussreime“ besteht aus christlich-pathosreichen Hymnen in neunundvierzig kurzen Gedichten, die als Liebeslieder zu Gott formuliert sind und den mystischen Weg zu ihm beschreiben. Die graphische Interpretation von Haffenrichter, werden vom Verleger im Nachwort mit den folgenden Worten kommentiert: In der Ausgabe mit Bildern "hat Hans Haffenrichter (von der expressionistischen Gruppe „Der Sturm“) den Versuch unternommen, die Gedanken des „Cherubinischen Wandersmann“ in graphischer Darstellung dem Auge sichtbar werden zu lassen. Daß für diese Aufgabe nur ein Expressionist berufen sein konnte, bedarf keiner Rechtfertigung. Die Bildbeigaben, welche den Ausdruck auch von solchen Lebensbewegungen der Seele noch anstreben, für welche die Sprache nicht mehr ausreicht, beweisen, daß es einem kongenialen Künstler möglich war, auch die Gedankenwelt eines Mystikers im Bilde darzustellen.“
Hans Haffenrichter studierte Anfang der 1920er Jahre am Bauhaus in Weimar bei Oskar Schlemmer und Lothar Schreyer, war Mitglied im Deutschen Werkbund und wurde von Herwarth Walden 1923 im Sturm ausgestellt. Die hier vorliegenden bildgewaltigen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen stehen ganz in der Tradition der avantgardistischen Strömungen der 1920er Jahre, mal lieblich, mal bedrohlich, die Figuren stilisiert, mit kubistischer Aufsplitterung oder geometrisierenden Formen und durch die reiche Tonwertskala mit äußerst malerischer Wirkung. Rarissimum. Beigegeben: Das dazugehörige Buch: Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1. Auflage, Falken-Verlag, Dresden/Leipzig 1924.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Abstrakte Komposition
Aquarell auf bräunlichem Velin. 1919.
64 x 47,5 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "Eugen Hoffmann" und datiert.
Expressive, abstrakte Komposition in intensiver Farbigkeit. Ab 1906 absolvierte Hoffmann eine Ausbildung zum Musterzeichner für Tapeten in Dresden, nebenbei nahm er Abendkurse an der Kunstgewerbeschule. Nach seiner Kriegsgefangenschaft in der Ukraine studierte er ab 1918 an der Dresdner Akademie und wurde 1920 Mitglied der Dresdner Sezession. 1924 nahm der kommunistische Künstler an der Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Moskau teil. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt er Arbeitsverbot, seine Kunst galt als "entartet". Seit 1947 lehrte er Bildhauerei an der Akademie in Dresden.
Provenienz: Irene Lehr, Berlin, Auktion 45, 29.10.2016, Lot 254
Privatbesitz Berlin
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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