Zu: Zwei Menschen-Bilder
Druckstock für 2 Holzschnitte, recto/verso. Holzplatte, schwarz eingefärbt. 1922.
24,5 x 31,8 cm.
Zu Merholz 176 und 182.
Originaler Holzstock Jansens zu Richard Dehmels Epos "Zwei Menschen", dessen Ausgabe mit insgesamt 72 Holzschnitten des Künstlers nicht, wie angekündigt, im Verlag E.A. Seemann erschien, sondern es wurde nur von einem Teil des Zyklus eine Auflage in unbekannter Höhe gedruckt. Die Klarheit von Jansens expressionistischer Holzschnittkunst wird auch im Druckstock wunderbar deutlich.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Mendelsohn, Erich
Architekturentwürfe für verschiedene Projekte
Los 7097
Nachverkaufspreis
30.000€ (US$ 34,483)
Architekturentwürfe für verschiedene Projekte
3 Blatt mit Feder in Schwarz auf semitransparentem chamoisfarbenem Velin. Um 1922/23.
Je ca. 37,5 x 27 cm.
Nicht bei Zevi.
Die vorliegenden Blätter stammen aus dem Nachlassarchiv des französischen Verlegers Jean Badovici, der mit L'Architecture Vivante in den 1920er Jahren eine der maßgeblichen internationalen Zeitschriften für modernes Bauen veröffentlichte. Badovici pflegte engen Kontakt zu vielen zeitgenössischen Architekten und ihren Büros und erhielt von diesen eine Vielzahl von Zeichnungen, Entwürfen, Plänen und Fotografien, von denen ein kleiner Teil später Eingang in den illustrierten Teil der Zeitschrift fand. Als großer Bewunderer Mendelsohns publizierte Badovici mehrfach auch Arbeiten und Projekte des Architekten, den er als einen der "Propheten der modernen Architektur" beschrieb. Unter anderem erschien 1925 ein Artikel über den Einsteinturm in Potsdam, sowie 1926 eine längere Strecke über die Hutfabrik in Luckenwalde (L'Architecture Vivante 1925 (I), S. 16, 23-25 und 1926 (I), S. 15, 17, 19-20, 22-25). Im Jahre 1932 widmete Badovici Mendelsohn ein eigenes Essay und schrieb dort u.a. "Mit ungewöhnlicher geistiger Kraft und Klarheit gehört er zu denen, die die Probleme unserer Zeit am besten analysiert und verstanden haben. [...] Sein Zeugnis ist nicht nur das eines Künstlers und eines der besten Gestalter unserer Zeit; sondern eines Mannes, dessen gesamtes Werk - bis ins kleinste Detail - auf einer tiefen Kenntnis der allgemeinen Bedingungen der Epoche beruht, gestützt auf eine umfassende und tiefe philosophische Konzeption, sowie auf eine erstklassige technische Wissenschaft." (übersetzt aus dem Französischen, zitiert aus L'Architecture Vivante 1932 (II), S. 33f). Die Zeichnungen widmen sich verschiedenen Details prominenter Projekte Mendelsohns expressiv-dynamischer Phase der frühen 1920er Jahre. Darunter zwei Blatt zur berühmten Hutfabrik Steinberg, Hermann und Co. in Luckenwalde, einem Schlüsselwerk des „dynamischen Funktionalismus“ (1921-23, hier die Färberei, Halle und der Lageplan der Fabrik). Und auf einem weiteren Blatt sind verschiedene Details unterschiedlicher Projekte versammelt, darunter der Einstein-Turm in Potsdam, sowie vermutlich die Garden City bei Mount Carmel in Israel und verschiedene imaginäre Projekte in Deutschland (vgl. Bruno Zevi, Erich Mendelsohn. The Complete Works, Basel 1999, S. 74ff, Nrn. 54ff; sowie S. 60ff. und S.96ff). So vermitteln die Blätter nicht nur einen seltenen Einblick in das Schaffen Mendelsohns und seines Studios vom konzeptionellen Entwurf über Baupläne und Präsentationsskizzen bis zur bautechnischen Ausführung, sondern sind auch ein anschaulicher Beleg für die internationale Vernetzung der architektonischen Moderne in den 1920er Jahren.
Provenienz: Nachlass Jean Badovici / Archiv L'Architecture Vivante
Galerie Gilles Peyroulet, Paris
2007 Galerie Ulrich Fiedler, Köln
Privatsammlung Berlin
Industriearchitektur
Feder in Schwarz auf braunem Velin. 1927.
17,2 x 10,8 cm.
Unten links mit Feder in Schwarz signiert "NERLINGER", unten rechts datiert.
Frühe, souverän konstruierte Zeichnung aus Nerlingers konstruktivistischer Schaffensphase. Nerlinger war einer der bedeutendsten Künstler der politisch engagierten Kunstszene der Weimarer Republik. Nach seinem Studium bei Emil Orlik an der Berliner Kunstgewerbeschule entstanden seit 1919 seine konstruktivistischen Collagen. 1921 schloss er sich Herwarth Waldens Sturm-Galerie an und wurde 1928 Mitglied des Vereins für proletarisch-revolutionäre Kunst (kurz ASSO), welcher der KPD angehörte.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
"Legende"
Bleistift und Aquarell, mit Weiß gehöht, auf Velin, in Orig.-Passepartout montiert.
15 x 15 cm.
Auf dem Passepartout unten rechts mit Bleistift signiert "Sulamith Wülfing" und unten links betitelt.
Reinheit und Schutz symbolisiert die Silberdistel, die Wülfing ins Zentrum ihrer Zeichnung setzt. Irdisches und Himmlisches scheint sich in allen drei Figuren zu vereinen, dem Mönch oder Eremiten, dem unbekleideten kleinen Knaben und der mit prunkvoller Krone als Himmelskönigin erscheinenden Mutter. Die mit höchster Feinheit und Detailfreude ausgeführte, anmutige Zeichnung verdeutlicht beispielhaft die spirituelle Dimension der Bildideen Wülfings. Verso Fragment einer weiteren Zeichnung der Künstlerin, das Passepartout von ihr angefertigt und auf der früheren Rückseite Fragment eines Adressaufklebers Wülfings.
Provenienz: Privatbesitz Hessen
"Obsternte"
Tempera auf Malpappe. Wohl 1912.
62 x 81,8 cm.
Unten links und oben mittig mit Graphitstift signiert "RGenin", verso nochmals mit Graphitstift signiert und mit der Künstleradresse "Ruffinstraße 2b/IV"sowie mit einem typographisch numerierten Papieretikett vom Kunstsalon Emil Richter, Berlin, und diversen handschriftlichen Numerierungen.
Die vorliegende Arbeit gehört zu einer Gruppe von Werken, die Robert Genin im neoklassizistischen Stil zwischen 1911 und 1914 schuf. Wie auf einer Theaterbühne öffnet sich der Blick auf eine idealisierte Landschaft und den weiten Hintergrund. Zeitlos nüchtern und von klassischer Schönheit, ganz nach dem Vorbild Puvis de Chavannes', schildert Genin seine meist nackten Figuren: Männer bei der Obsternte sowie Frauen und Kinder, die in einer beinahe poetischen Idylle die Eintracht zwischen Mensch und Natur symbolisieren.
Provenienz: Kunsthandel Wiesbaden (dort 2004 erworben)
Privatbesitz Berlin
Halkett, René
Ohne Titel (Tanzende auf Dächern)
Los 7120
Nachverkaufspreis
2.500€ (US$ 2,874)
Ohne Titel (Tanzende auf Dächern)
Öl auf Leinwand. Um 1926.
46,2 x 50 cm.
Verschobene Proportionen, weich-verschwommene Konturen und eine lebendige Farbigkeit kennzeichnen Halketts Gemälde, entstanden kurz nach seiner Zeit am Bauhaus in Weimar, wo er den Vorkurs bei Moholy-Nagy sowie Kurse bei Klee und Kandinsky besuchte. "Mindscapes" malt Halkett: Visionen, Träume, Szenerien seines Inneren. Der Künstler verzichtet explizit darauf, seinen Gemälden Titel zu geben: "Das jeweilige Bild soll für sich selbst sprechen und unverstellt an den betrachtenden Einzelnen wenden, der durch das Kunstwerk eine Begegnung mit einem Du erfahren kann; ganz im Sinne Martin Bubers folgt er dem Dialogischen Prinzip." (Ursula C. Klimmer, in: René Halkett, 1900-1983, Ausst.-Kat. Galerie Bassenge, Berlin 2015, S. 5). Halketts Gemälde blieben zumeist unsigniert.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers
Ausstellung: René Halkett, Galerie Bassenge/Archiv Klaus Spermann, Berlin 2015 (Kat.-Nr. 2, Abb. S. 9)
Rue Rochechouart
Öl auf Malpappe. Um 1957.
67 x 94 cm.
Unten rechts mit dem Signatur-/Nachlaßstempel.
Von Paris ist Hubbuch fasziniert. Er registriert, analysiert und dokumentiert auf seinen Reisen dort malerisch und in zahlreichen Zeichnungen das Alltagsleben auf der Straße. Im Verlaufe der 1950er/1960er Jahre schließt er hier wieder an seine sozialphysiognomischen Darstellungen von 1933 an. In der Metropole entstehen Arbeiten mit hektischem Verkehr, Passanten und Bewohnern, die das Gesicht der französischen Hauptstadt, "den Habitus und die Mentalität der sie bevölkernden Menschen zu einem lebendigen, kulturhistorischen Milieu verdichten" (vgl. Wolfgang Hartmann, Karl Hubbuch. Der Zeichner, Wilhelm-Busch-Museum Hannover, 1991, S. 27). In der vorliegenden Darstellung scheinen die geschäftig-gehetzten Frauen mit den städtischen Fassaden zu verschmelzen. Die Darstellung wertet nicht, sie zeichnet eher aus Solidarität ein Bild der Stadtbewohner und Zeitgenossen. Zum Motiv der Hausfrauen in der Rue Rochechouart entstehen 1957 mehrere Kompositionen Hubbuchs.
Provenienz: Nachlass des Künstlers / Ellen Hubbuch (dort 1992 erworben)
Privatbesitz Hessen
Tappert, Georg
Vagabundin (Alte Frau unterm Baum)
Los 7125
Nachverkaufspreis
1.200€ (US$ 1,379)
"Vagabundin" (Alte Frau unterm Baum)
2 Bl. Holzschnitt und Farbholzschnitt auf feinem Velin bzw. dünnem, silbrig beschichtetem Japan. 1908/09.
17 x 12 bzw. 17,2 x 12,3 cm (36,4 x 25,1 bzw. 17,5 x 12,7 cm).
1 Bl. signiert "G. Tappert" und betitelt.
Wietek 28, Karsch H 7.
Zwei Druckvarianten desselben, sehr raren Motivs, eine in Schwarz und eine zudem mit Ocker und Blau gedruckt. Die silbrige Beschichtung auf dem feinen Japanpapier der farbigen Variante verstärkt die Kontraste und ruft den Eindruck einer verschneiten Landschaft hervor. Ganz ausgezeichnete Drucke mit breitem bzw. kleinem Rand. Äußerst selten.
Provenienz: Sammlung Gerhard Wietek, beide verso mit dessen violettem Sammlerstempel (nicht bei Lugt)
Kartenspieler
Aquarell, Deckweiß und Pinsel in Schwarz auf Skizzenpapier. 1927.
27 x 23,6 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "G. OVERBECK" und datiert.
Ein Trio beim Kartenspiel in einer schummrigen Kneipe. Die in dichter Räumlichkeit komponierte Szene ist dominiert von den sorgfältig gezeichneten Figuren im Vordergrund, die im Beieinander einen Moment der sorgenfreien Entspannung finden. Im Mittelpunkt von Gerta Overbecks unbestechlichem Blicks steht der Mensch. Die Malerin der Neuen Sachlichkeit suchte sich, wie ihre Künstlerfreundin Grethe Jürgens, ihre Sujets im proletarischen Milieu, im Alltagsleben der kleinen Leute mit ihren Sorgen, Freuden und Nöten, bedroht von Armut und Arbeitslosigkeit. Auch die Künstlerin selber lebte unter ärmlichen Bedingungen und trat später der Kommunistischen Partei bei.
Provenienz: Galerie Krokodil, Hamburg
Privatbesitz Schleswig-Holstein
Privatbesitz Rheinland
Literatur: Doris Müller, Gerta Overbeck. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik der 1920er Jahre, Münster 2002 (Kat.-Nr. 19, mit Abb.)
Barlach, Ernst
Der Buchleser (Lesender Mann im Wind)
Los 7128
Nachverkaufspreis
12.000€ (US$ 13,793)
Der Buchleser (Lesender Mann im Wind)
Gips, mit Schellack gefasst. 1936.
46,3 x 20 x 34 cm.
Laur 599, Schult 472.
Eine Personifizierung von kontemplativer Ruhe und Besonnenheit: Der Mann scheint zu lesen und doch gleichzeitig den Blick in die Ferne zu richten. Vornübergebeugt sitzt er, in seine Lektüre vertieft, auf einem kleinen Hügel, die Ellenbogen auf den Knien aufgestützt. Sein Körper bildet, im Profil betrachtet, vom Boden über den Rücken bis zum Kopf eine geschlossene Halbkreisform, die auf der Vorderseite der Figur strahlenförmig aufgebrochen wird. Das schwere bodenlange Gewand des Buchlesers, das seitlich und über Armen und Schienbeinen große Falten bildet, unterstreicht seine geerdete, fast meditative Ausstrahlung: Wie ein Fels in der Brandung wirkt die monumentale, bodenständige Erscheinung. Diese Monumentalität ist zahlreichen Skulpturen Barlachs zu Eigen, die er nach prägenden Eindrücken vom bäuerlichen Leben auf seiner Russlandreise 1906 schuf. Das Motiv des Lesens stand an zentraler Stelle in seinem zeichnerischen und bildhauerischen Werk. Besonders im Hinblick auf die infamen Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten 1933 prangert er mit seinem "Buchleser" mutig die Beschneidung der Freiheitsrechte bezüglich einer selbstgewählten Lektüre an. Barlach selbst litt unter Verfemung im Dritten Reich: Zahlreiche seiner Werke wurden 1937 aus Museen, Kirchen und von öffentlichen Plätzen entfernt. Es handelt sich wohl um ein Werkmodell Barlachs für den entsprechenden, 1937 entstandenen Bronzeguss (Laur 600). Laur sind drei weitere Stuccogüsse bekannt, alle heute in Museumsbesitz.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland
Märkisches Dorf
Öl auf Holz. Um 1930.
50 x 70 cm.
Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) "G. Wunderwald", verso (wohl von fremder Hand) mit Bleistift betitelt und zweifach mit dem Nachlaßstempel.
Reinhardt 167.
Ein anonymes und zugleich vollkommen charakteristisches märkisches Dorf unter grau verhangenem Himmel, der dennoch die Häuser und kahlen Bäume in hellem, klarem Licht erscheinen lässt. Ganz ohne figürliche Staffage erstreckt sich die sandige, ungepflasterte Dorfstraße zentral und bestimmend von vorne nach hinten durch die Komposition. Mit akribischer Gründlichkeit des feinen Pinsels, pastosem Farbauftrag und zurückhaltendem Kolorit widmet sich der Künstler der unterschiedlichen Beschaffenheit der schlichten Wohnhäuser, ihrer Fassaden, Fenster und Zäune ebenso wie der Natur. "Die Redlichkeit und Akribie der Schilderung des Vorgefundenen, die Wunderwalds Berlin-Berichte auszeichnen, findet man auch in den Sommer- und Winterlandschaften Ostpreußens und der Mark." (Hildegard Reinhardt, Gustav Wunderwald (1882-1945), Hildesheim 1988, S. 29).
Provenienz: Nachlass Gustav Wunderwald
Ehemals Galerie Gunzenhauser, München
Privatsammlung Berlin
Ausstellung: Neue Sachlichkeit - 12 Maler zwischen den Kriegen, Galerie Gunzenhauser, Köln 1975, Kat.-Nr. 35 (Abb. S. 21)
Gustav Wunderwald. Gemälde, Handzeichnungen, Bühnenbilder, Berlinische Galerie, Berlin, und Städtische Galerie Albstadt 1982/83, Kat.-Nr. 86
"Unmut"
Öl auf Malpappe. 1953.
40,5 x 33,5 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Pinsel in Blauschwarz signiert "C. Ehrhardt", verso datiert und betitelt.
Ein Gemütszustand, umgesetzt als expressiv abstrahierte Komposition. In kleine Farbflächen segmentiert ist das vielfigurige, komplexe Gemälde "Unmut". "Jede wirkende Macht ist real. Ungeheures aber schafft die Transzendenz", notierte sich Ehrhardt bereits 1918 (zit. nach: P. Arlt, Der Maler Curt Ehrhardt, Weimar 2002, S. 82). Ehrhardt kam nach dem Besuch einer Ausstellung des "Sturm" zu der Überzeugung, sich statt den Rechtswissenschaften ganz der modernen Malerei widmen zu müssen. 1918 trat er der neu gegründeten "Novembergruppe" bei. Neben der künstlerischen Avantgarde des "Sturm" und des Blauen Reiters beeinflussten den Künstler der Futurismus und der Orphismus Robert Delaunays. Unter den Nazis verfemt und in der DDR vom offiziellen Kunstbetrieb ausgeschlossen, blieb Ehrhardt auch nach seiner Übersiedlung nach Westdeutschland öffentliche Anerkennung verwehrt, und erst in den letzten Jahren wurde sein Werk wiederentdeckt.
Provenienz: Ehemals Galerie Tableau, Berlin (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Privatbesitz Hessen
Liegender Frauenakt
Pastell auf braunem Canson-Velin. Um 1930.
50 x 65 cm.
Wärme und Weichheit dominieren Duktus und Tonalität der Zeichnung. "Demonstriert Jaeckel in der Figurendarstellung einerseits die Beherrschung der unzähligen, klassischen akademischen Posen, so wählt er andererseits auch immer wieder die zwanglose natürliche Haltung des Modells (...). Der Maler fordert den Betrachter geradezu heraus, den an- und abschwellenden Linien der ins Monumentale gesteigerten Plastizität der weiblichen Körperformen zu folgen und den privaten Blick auf das Modell zu wagen. Dabei geht es Jaeckel nicht um die Position des heimlichen Voyeurs, sondern darum, die Situation in ihrer Natürlichkeit als selbstverständlich zu erfahren. Jaeckels Figurenauffassung demonstriert in stilistischer wie soziologischer Hinsicht ein modernes Bild der Frau." (Dagmar Klein-Elsässer, Willy Jaeckel- So war mein Denken, Ausst.-Kat. Miesbach 2000, S. 70).
Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin
Katz, Hanns Ludwig
Nordafrikanische Landschaft (Bahira)
Los 7137
Nachverkaufspreis
5.000€ (US$ 5,747)
Nordafrikanische Landschaft ("Bahira")
Öl auf Holz. 1927/28.
86,6 x 92,2 cm.
Verso mit Kreide in Blau bezeichnet und zweifach betitelt "H.L.KATZ / Frankfurt a/M / Am Kirchberg 27 / 'Bahira'", sowie mit altem Sammlungsetikett.
Hofmann/Krohn 12.
Der Blick schweift von einer Anhöhe in den Sonnenuntergang über die weite, hügelige Küstenlandschaft Nordafrikas, in der Umgebung von Tunis. Nur ein kurzes Stück Bahngleis zeugt von menschlichem Einfluss und führt um die Kurve in einen Tunnel. Hanns Ludwig Katz, der in den späten 1920er Jahren ausgedehnte Reisen unternahm, zählt zu den Künstlern der Verschollenen Generation und emigrierte 1936 nach Südafrika, wo er 1940 verstarb. Vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten arbeitete er zunächst in Karlsruhe und später in Frankfurt am Main; 1919 wurde er im Kunstsalon Cassirer ausgestellt. In den 1920er Jahren entwickelte sich seine expressive Malweise hin zur Neuen Sachlichkeit. Lange Zeit blieb sein Werk nahezu unbeachtet, bis es 1984 von Henri Nannen - dem Stifter der Kunsthalle in Emden - wiederentdeckt wurde. Nannen erwarb einen ersten Grundstock für das Museum, das heute mit elf Arbeiten die größte institutionelle Sammlung seiner Werke beherbergt. Insgesamt sind lediglich 76 Arbeiten von Katz erhalten und bekannt. Selten.
Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatsammlung Südafrika/Thailand
Grisebach, Berlin, Auktion 320, 10.07.2020, Lot 206
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung: The Hanns L. Katz (1896 [!]-1940) Memorial Exhibition, Johannesburg 1941 (Umschlagabb.)
Memorial Exhibition. Hanns L. Katz, Lawrence Adler Galleries, Johannesburg 1961, Nr. 18 ("Bahira, North Africa")
Hanns L. Katz, Alexis Preller, Irma Stern, Frans Oerder, Cassirer Fine Art, Johannesburg 1984, Liste Nr. 6 ("Bahira")
Hanns Ludwig Katz, 1892 - 1940, Jüdisches Museum Frankfurt a.M., Kunsthalle Emden (Stiftung Henri und Eske Nannen), 1992, Abb. S. 151 (verso mit deren Ausstellungsetikett)
Hanns Ludwig Katz, South African National Gallery, Cape Town 1993/94
Literatur: E(rnest) U(llmann): Hanns L. Katz Exhibition, in: Jewish Affairs, 16. Jg., April 1961, S. 46
Segelnder Fischer
Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert.
60 x 40 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "M. Melzer".
Die rhythmische Bewegtheit der See durchdringt die gesamte Komposition. Die Figur des Seglers, sein Boot und die Motive im Hintergrund, Wasser, Wolken und andere Segelboote, verschränken sich miteinander durch ihre Zerklüftung und Aufsplitterung in wuchtige, scharfkantige Formen, so dass sie sich gegenseitig in der Kraft ihres Ausdrucks verstärken. Durch die Varianten der Formgebung und die Farbverteilung entsteht eine ruhige Zone in der unteren Bildhälfte des Vordergrundes und eine vehement bewegte Partie oben im Hintergrund. Melzer "knetet die Welt des Sichtbaren gewaltig um und formt sie nach seinen Gesetzen." (Gerhard Leistner, Streben nach reiner Kunst, in: Moriz Melzer. Werke von 1907 bis 1927, Ausst.-Kat. Ostdeutsche Galerie Regensburg 2007, S. 95). Nach seiner Teilnahme an der Berliner Sezession gründete der aus Böhmen stammende Melzer zusammen mit Pechstein, Tappert und anderen die revolutionäre Novembergruppe.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
Selbstportrait mit Haube
Öl auf strukturierter Malpappe.1959.
77,5 x 58 cm (Passepartoutausschnitt).
Oben links mit Pinsel in Rotbraun monogrammiert "LM" und datiert.
Mit freundlicher Ruhe blickt Meidner direkt zum Betrachter, den Kopf und Oberkörper nach rechts gewandt. Ein warmes Leuchten überstrahlt das Selbstbildnis des Künstlers, dessen lockerer, lebhafter und zügiger Pinselduktus in seiner Lebendigkeit die Farbwirkung unterstreicht. Mit tupfend aufgesetztem Pinsel modelliert Meidner Höhen, Falten und Strukturen des von großer Lebenserfahrung sprechenden Gesichts. Als Malgrund verwendet er zu dieser Zeit vielfach derartige Malpappen mit geprägter Leinwandstruktur. "Aus den Selbstbildnissen der letzten Jahre sieht uns ein Überlegener an, einer, der überwunden, ein Weiser, der alle Stürme überstanden hat. Einigemal ist in seinem Gesicht gar ein Anflug von Humor wahrzunehmen." (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 217). Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz: Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 643
Privatbesitz Österreich
Selbstportrait
Öl auf Hartfaser.
50 x 43 cm.
Oben links mit Pinsel in Dunkelbraun monogrammiert "LM".
Von Müdigkeit keine Spur. Ebenso wach wie seine Umwelt betrachtet der Künstler die eigene gealterte und immer noch pfiffige Physiognomie. Liebevoll und leichthändig modelliert er die wohlvertrauten Züge durch, lässt von oben links ein strahlendes Licht helle Reflexe auf den kahlen Schädel, auf Wange und Nasenrücken werfen und verleiht dem Gesicht eine gesunde, lebendig frische Farbe. Der auf den ersten Blick zurückhaltende, grünbräunliche Hintergrund offenbart bei näherer Betrachtung der dynamischen Pinselzüge eine Vielzahl differenzierter Farbnuancen, die die Konturen des Brustbildes umspielen und oben links, im Bereich des Monogramms, ein wie Abendrot schimmerndes Leuchten erzeugen. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz: Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 644
Privatbesitz Österreich
Meidner, Ludwig
Stilleben mit Heringen, Flasche und Zwiebeln
Los 7143
Nachverkaufspreis
2.500€ (US$ 2,874)
Stilleben mit Heringen, Flasche und Zwiebeln
Öl auf Malpappe. 1963.
59,5 x 49,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert "LM" und datiert.
Ein einfaches Mahl. Zuvor aber dient der Küchentisch Meidner noch als Modellvorlage. "Das Malen muss schnell vonstatten gehen, damit danach der Schmaus noch einigermaßen frisch zubereitet werden kann." (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 211). Zügig, mit weichem und lockerem Duktus erfasst der Künstler die ausgenommenen, silbrig schimmernden Fische und die Zwiebeln vor einem warmen, orangetonigen Hintergrund, den die helle Schüssel und die dunkle Flasche um einem effektvollen Kontrast bereichern. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz: Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 646
Privatbesitz Österreich
Meidner, Ludwig
Weiß gedeckter Tisch mit Blumen
Los 7144
Nachverkaufspreis
1.800€ (US$ 2,069)
Weiß gedeckter Tisch mit Blumen
Öl auf Malpappe. 1961.
56 x 50 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "LM" und datiert.
Wie nach einer Feier quillt der Tisch über vor lauter Blumensträußen und Gefäßen, die sich unordentlich auf der schimmernden weißen Damasttischdecke drängen. Der bequeme Lehnstuhl mit dickem Kissen direkt daneben fordert zum Verweilen auf, und so erscheint die Szenerie wie eine ins Bild gesetzte Einladung, voller Farbe und Lebensfreude. Mit sicherer Hand und ausgewogener Komposition organisiert Meidner die Bildfläche, pastos modelliert sein Pinsel vor dem monochromen, lasierend aufgetragenen Hintergrund dieses sehr lebendige Stilleben. Mit der Familie Kisch, aus deren Besitz das Gemälde stammt, war Meidner bekannt; Bruno Kisch emigrierte nach New York. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz: Ehemals Guido Kisch, Basel (mit dessen Stempel verso)
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 642
Privatbesitz Österreich
Meidner, Ludwig
Portrait eines Jungen mit Hut und rotem Tuch
Los 7145
Nachverkaufspreis
2.000€ (US$ 2,299)
Portrait eines Jungen mit Hut und rotem Tuch
Öl auf strukturierter Malpappe. 1963.
59 x 48,5 cm.
Unten links mit Pinsel in Rot monogrammiert "LM" und datiert.
Ein markantes und eigenwilliges Gesicht leuchtet in vielfältig variierten Tonwerten unter dem Schatten der breiten Hutkrempe hervor, darunter blüht ein intensives Rot im Halstuch des Jungen, während die Darstellung in ihrer Gesamtheit der großen Flächen von Hut, Körper und Hintergrund von dunkeltonigen Valeurs dominiert wird. Vehemente Pinselstriche strukturieren diese an sich gedämpften, beinahe stumpfen Farbflächen und verleihen ihnen Lebendigkeit. "Konzentrieren wir unsere Blicke jedoch auf die Gesichter, dann wird unser Erstaunen nicht gering sein über den Reichtum der Palette und über die lebendige und nuancenreiche farbige Instrumentierung von Inkarnat und Haar." (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 212). Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz: Ehemals Guido Kisch, Basel (mit dessen Besitzvermerk verso)
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 645
Privatbesitz Österreich
"Stilleben hinter Blau"
Öl auf Leinwand. 1934-37.
134 x 83 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "hans thiemann" und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Schwarz nochmals datiert und betitelt.
Essen 15.
Das vielschichtige Vexierspiel zwischen verschiedenen Realitätsebenen und den gestaffelten, in subtil abgestuften Farbwerten gestalteten Raumelementen beherrscht bereits die bedeutende frühe Komposition Thiemanns. Erst kurz zuvor, um 1933, wandte sich der Künstler "jener metaphorisch abstrakten Formensprache zu, die fortan seine Bildwelt bestimmt. Sie führt ihn zurück zu den Grundelementen der abstrakten Malerei, zu Punkt, Linie und Fläche im Sinne seines Lehrers Kandinsky." Mit dieser elementaren Formensprache baut er jedoch eine ganz eigene, metaphernreiche und geradezu dichterische Bildwelt auf. "Hier wird die Nähe zu seinem zweiten großen Lehrer am Bauhaus, zu Klee, spürbar." (Gerd-Wolfgang Essen, Hans Thiemann. Das malerische Werk, Hamburg 1977, S. 15). Es findet sich hier zum ersten Mal ein bevorzugtes Element seiner Bilder: die aufrecht stehende Sprossenleiter, deren zeichenhaften, mehrdeutigen Charakter Thiemann bewusst unbestimmt belässt.
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam
Literatur: Hans Thiemann und die Berliner Fantasten, Ausst.-Kat. bauhaus-archiv Berlin 2000, Abb. S. 28
Straße mit Menschenmenge
Pinsel in Schwarz auf dünnem Velin. 1946.
20,8 x 29,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "WH." und datiert.
Seel 370.
Einer Flutwelle ähnlich strömt die Menschenmenge in den Vordergrund und verwandelt die Straße in einen reißenden Fluss. Die Antlitze zeichnet Heldt mit merkwürdig derben, maskenhaft vereinfachten Grimassen, und er sperrt die demonstrierende Menge in die geometrische Form der stilisierten Fassaden ein. Starke Schwarz-Weiß-Kontraste dominieren das Blatt. Bereits um 1935 entstanden Zeichnungen Heldts zum Motiv der Menschenmenge (vgl. z.B. Seel 315), in denen er sich u.a. mit den Thema der Revolution von 1848 auseinandersetzte, und er verfasste zudem 1935 unter dem Titel "Einige Beobachtungen über die Masse" einen Text dazu.
Provenienz: Bassenge, Berlin, Auktion 20, 11.1972, Lot 1199
Privatbesitz Berlin
Stilleben vor Häuserfront
Aquarell und Pinsel in Schwarz auf Bütten. 1954.
21,3 x 48 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "WH." und datiert.
Seel 803.
Konzentriertes und koloristisch wirkungsvolles Stadtstilleben, eines der Hauptmotive Heldts der Nachkriegszeit. Das Arrangement im Vordergrund erscheint monumentalisiert. Mit vereinfachten, geometrisierten Formen und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten zeichnet Werner Heldt seine teils klaren, teils ambivalenten und schwer deutbaren Bildgegenstände. Er beschränkt sich auf wenige, klare Farben und versetzt mit einer bogenförmigen Konturlinie zwischen Vorder- und Hintergrund die Komposition in Schwingung. Die kurzen Vertikalen der Fenster in der langen Fassadenfront nehmen mit ihrer rhythmischen Wellenbewegung diesen Schwung auf. Ein kühles, helles Licht erfüllt die Komposition mit jener kristallinen Klarheit, die so charakteristisch für Heldts späte Stadtstilleben ist.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 251, 27.11.2015, Lot 612
Privatbesitz Berlin
Composition abstraite
Fettkreiden, Rötel und Gouache, teilweise laviert und gespritzt, auf Montgolfier-Velin. 1946-48.
64 x 49,2 cm.
Unten links mit Kohle signiert "SERGE POLiAKOFF", verso mit Graphitstift numeriert "P-380-".
Poliakoff I/48-16.
Die abstrakte Zeichnung entstand um das für Poliakoff wichtige Jahr 1946, als er am Salon des Réalités Nouvelles in Paris teilnahm, sich seine reiche Farbpalette auf wenige sanfte Töne reduzierte und er seine erste Lithographie schuf. In einem zeichnerischen Liniengerüst durchdringen und verschachteln sich verschiedene geometrische Formen und schweben im undefinierten Bildraum. Sanfte, flächige Farbakzente erreicht Poliakoff durch das Aufspritzen von Rot und Blau, teils mit schablonenartigen Aussparungen. Figurative Anklänge sind vollständig aufgelöst; stattdessen entfaltet die Linie aus der Mitte heraus ein rhythmisches Muster, das später in seinen farbintensiven, organisch anmutenden Farbflächen der Malerei fortwirkt. Dieser Übergang zur Abstraktion zeigt sich wunderbar an einer weiteren, blattgroßen Zeichnung verso "Liegender Akt" (Liegender Akt, Kohle und Gouache). Mit einer Fotoexpertise von Alexis Poliakoff, Archives Serge Poliakoff, Paris, vom 12.07.2000 (in Kopie). Das Werk ist dort unter der Nummer "846012" registriert.
Provenienz: Sotheby's London, Auktion 30.03.2000, Lot 101
Privatsammlung Rheinland
Ketterer, München, Auktion 277, 06.12.2002, Lot 153
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Van Ham, Köln, Auktion 06.06.2024, Lot 521
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung: Serge Poliakoff, Galerie Creuzevault, Paris 1957 (Ausst. Kat Nr. 2, mit Abb.)
Literatur: Dora Vallier, Serge Poliakoff, Les Cahiers d'Arts, Paris 1959, S. 43 (mit Abb.)
Jean Cassou, Serge Poliakoff, Amriswil 1963, Nr. 3 (mit Abb.)
Gérard Durozoi, Serge Poliakoff, Expressions contemporaines, Angers 2001, S. 131
Freundinnen II
Bronze mit schwarzbrauner Patina, auf grauen Marmorsockel montiert. Um 1933.
16,7 x 7,8 x 7,5 cm.
Verso unten (teils undeutlich) signiert "M. KOG(AN)".
Henkel 165 (in den Maßen minimal abweichend).
Eines der Lieblingsthemen Kogans war der weibliche Akt, in dessen Darstellungen er sich von Renoir wie auch von Rodin und Maillol beeinflusst zeigt. Die Bronze mit offener Rückseite, im Grunde ein Hochrelief, zeigt sich in locker schwingender Bewegtheit und lebendiger, etwas rauer Oberfläche. Die Auflage der um 1933 gegossenen Bronzen betrug wohl 6 Exemplare; zudem wurde um 1960 mindestens ein späterer Guss angefertigt (vgl. moisseykogancr.org). Prachtvoller Guss mit schöner Patina.
Gesamthöhe mit Sockel: 21,3 cm.
Provenienz: Privatsammlung Amsterdam
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Seitz, Gustav
Brecht mit Zigarre (Statuette I)
Los 7157
Nachverkaufspreis
5.000€ (US$ 5,747)
Brecht mit Zigarre (Statuette I)
Bronze mit schwarzer Patina auf Bronzeplinthe. 1957/58.
49,5 x 16,5 x 14,5 cm.
Verso hinter dem rechten Bein auf der Plinthe signiert "Seitz".
Grohn 121.
Der runde Kopf, die etwas schiefe Nase und die eng zusammenstehenden Augen machen die charakteristische Gestalt Bertolt Brechts auf den ersten Blick erkennbar. Mit leichter Stilisierung und Reduktion der Formen verleiht Seitz der Figur eine fast monumentale Einfachheit. Nachdem er 1949, in der Zeit des Kalten Krieges, den Nationalpreis der DDR entgegengenommen hatte und Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin (Ost) wurde, suspendierte man Seitz von seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für bildende Künste und erteilte ihm mit sofortiger Wirkung Hausverbot. Er zog in den Ostteil der Stadt um, 1958 weiter nach Hamburg. In dieser Zeit der Umbrüche entstand die Figur des stehenden Dichters. "Den Bildhauer verband mit dem Dichter eine lange vertrauensvolle Freundschaft und der gemeinsame Kampf gegen die Gängelung durch die Obrigkeit der DDR, die die Lehrtätigkeit an der Akademie argwöhnisch überwachte. Dennoch begann er die Arbeit an seinem Porträt erst nach dem Tod Brechts im Jahr 1956. Über 11 Jahre hinweg beschäftigte ihn das Bildnis. Die zahlreichen Zeichnungen, die Statuetten, Masken und Köpfe, die alle aus dem Gedächtnis entstanden, sind Zeugnis seines intensiven geistigen Dialogs mit dem Dichter und dem privaten Brecht (...) Die Statuetten von 1957/8 scheinen die Wiedergabe eines alltäglichen Erlebnisses einer Theaterprobe zu sein, die Brecht leitete und der Seitz häufig zusah. Die starke Reduzierung aber aller narrativen Details zeigt, dass Seitz hier keinen vorübergehenden Moment festhalten wollte, sondern das Typische, das Gültige in der Haltung des verehrten Freundes." (Brigitte Heise, in: Gustav Seitz. 50 Köpfe, Hamburg 2013, S. 18). Grohn sind elf Güsse bekannt. Prachtvoller Guss mit homogener Patina.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
Zwischen den Mauern
Öltempera auf grober Leinwand, in Atelierleiste. 1954.
77 x 118 cm.
Unten links mit Pinsel in Braun signiert "Kliemann" und datiert.
Kliemann B 54,6.
Eine dystopische Szenerie: Mauern durchziehen kantig die gesamte Breite der menschenleeren Landschaft mit den finster-kahlen Bäumen. Tiefschwarze Schatten und scharfe, zackige Konturen sowie die dunkeltonige Palette verleihen der spannungsreichen Komposition einen düsteren Zauber. Seinen zentralen Darstellungsmotiven treu bleibend, schuf Kliemann in den 1950er Jahren eine überschaubare Anzahl an Ölgemälden und diverse, in der Komposition ähnliche Farbholzschnitte.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
Cocteau, Jean
Homme-oiseau (Thomas l'Imposteur)
Los 7176
Nachverkaufspreis
1.000€ (US$ 1,149)
Homme-oiseau (Thomas l'Imposteur)
Farbstifte auf Titelblatt. 1954.
21,4 x 16 cm.
Unten rechts mit Farbstift in Orange signiert "Jean", mit Farbstift in Blau datiert sowie in Schwarz gewidmet.
Der Universalkünstler Cocteau, Dichter, Schriftsteller, Filmregisseur und Maler, zeichnet das charakteristische Mischwesen in der Profildarstellung mit sicher fließenden, farbig changierenden Konturlinien. Zu seinem Freundeskreis zählten Igor Strawinsky, Edith Piaf, André Gide, Marcel Proust und Edmond Rostand, er stand in Kontakt mit berühmten Künstlern wie Pablo Picasso und Charlie Chaplin. Das Blatt ist Annie Guedras, Périgeux, bekannt.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Le Baiser
Zimmermannsbleistift auf Skizzenblockpapier. Um 1955.
27 x 37 cm.
Unten links mit dem roten Monogrammstempel "JC".
Mit einfachsten Mitteln, in wenigen fließenden Konturlinien und ganz ohne Binnenstrukturen erfasst Cocteau das küssende Liebespaar im Profil, mit leichter Hand und in geradezu schlafwandlerischer Sicherheit hingeworfen.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Esse (Aus: Holzschnitte)
Holzschnitt auf BFK Rives-Velin. Lose in Orig.-Halbleinenmappe. 1951/1973-74.
27 x 25,5 cm (50,3 x 65,5 cm).
Signiert "Joseph Beuys" und datiert. Auflage 50 num. Ex.
Schellmann 94.
Die Folge "Holzschnitte", allesamt frühe Motive entstanden zwischen 1948 und 1961, wurde herausgegeben vom Propyläen Verlag, Berlin 1973/74, gedruckt bei Franz Joseph van der Grinten, Gaesdonck. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, links mit dem Schöpfrand.
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